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Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Aus Hochschulwiki

Die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg ist eine staatliche Universität in Freiburg im Breisgau im Bundesland Baden-Württemberg. Sie wurde 1457 gegründet und gehört damit zu den ältesten Universitäten Deutschlands. An ihr studieren rund 24.000 Menschen, wobei die Studierendenzahl je nach Semester schwankt. Als Volluniversität umfasst sie ein breites Spektrum geistes-, sozial-, rechts-, wirtschafts- und naturwissenschaftlicher sowie medizinischer und technischer Fächer. Ihr Name erinnert an den Gründer Erzherzog Albrecht VI. von Österreich und an Großherzog Ludwig I. von Baden, der im frühen 19. Jahrhundert ihren Fortbestand sicherte.

Geschichte

Die Universität wurde 1457 auf Initiative Erzherzog Albrechts VI. gegründet. Freiburg gehörte damals zu den habsburgischen Vorlanden. Die neue Hochschule sollte unter anderem Geistliche sowie juristisch und administrativ ausgebildete Fachkräfte für Kirche und Landesherrschaft hervorbringen. Der Lehrbetrieb begann 1460. Wie an vielen mittelalterlichen Universitäten bestanden zunächst vier Fakultäten: Theologie, Rechtswissenschaft, Medizin und die Artistenfakultät, an der die grundlegenden wissenschaftlichen Studien absolviert wurden.

In der Frühen Neuzeit prägten konfessionelle Auseinandersetzungen, Kriege und wechselnde politische Bedingungen die Hochschule. Im 17. Jahrhundert gewannen die Jesuiten erheblichen Einfluss auf die Lehre. Die Universität blieb zugleich eng mit der Geschichte Freiburgs als habsburgischer Stadt verbunden.

Mit dem Übergang Freiburgs an Baden zu Beginn des 19. Jahrhunderts änderten sich die staatlichen Rahmenbedingungen. Da Baden bereits über die Universität Heidelberg verfügte, war der Fortbestand der Freiburger Hochschule zeitweise gefährdet. Großherzog Ludwig I. unterstützte ihre Erhaltung und finanzielle Absicherung. Seit 1820 trägt sie den Doppelnamen Albert-Ludwigs-Universität.

Im 19. Jahrhundert wurden Forschung und Lehre ausgebaut, insbesondere in den Naturwissenschaften und der Medizin. Neue Institute und Gebäude entstanden. Seit 1900 konnten Frauen in Baden regulär an Universitäten studieren; Freiburg gehörte damit zu den ersten deutschen Hochschulen, die Frauen zur ordentlichen Immatrikulation zuließen.

Während der nationalsozialistischen Herrschaft beteiligte sich die Universität an der politischen Gleichschaltung. Jüdische und politisch missliebige Mitglieder wurden ausgegrenzt, entlassen oder vertrieben. Der Philosoph Martin Heidegger amtierte 1933 und 1934 als Rektor und unterstützte in dieser Funktion den Nationalsozialismus. Die Aufarbeitung dieser Zeit ist Gegenstand universitätsgeschichtlicher Forschung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Universitätsbetrieb unter französischer Besatzung wieder aufgenommen. In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Hochschule erheblich. Zusätzliche Standorte und neue Fachgebiete erweiterten ihr Profil; dazu zählt insbesondere der Aufbau der Technischen Fakultät seit den 1990er Jahren.

Fakultäten und Studienangebot

Die Universität gliedert sich in elf Fakultäten:

  • Theologische Fakultät
  • Rechtswissenschaftliche Fakultät
  • Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftliche Fakultät
  • Medizinische Fakultät
  • Philologische Fakultät
  • Philosophische Fakultät
  • Fakultät für Mathematik und Physik
  • Fakultät für Chemie und Pharmazie
  • Fakultät für Biologie
  • Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen
  • Technische Fakultät

Das Studienangebot reicht von klassischen Universitätsfächern wie Geschichte, Philosophie, Rechtswissenschaft und Medizin bis zu Informatik, Mikrosystemtechnik und umweltbezogenen Studiengängen. Sprach- und Literaturwissenschaften sind ebenso vertreten wie Psychologie, Wirtschaftswissenschaften und zahlreiche naturwissenschaftliche Disziplinen.

Je nach Fach führen die Studiengänge zu Bachelor- und Masterabschlüssen, Staatsexamina oder kirchlichen Abschlüssen. Hinzu kommen Lehramtsstudiengänge, Promotionsmöglichkeiten und wissenschaftliche Weiterbildungsangebote. Die konkreten Zulassungsbedingungen unterscheiden sich nach Studiengang; in einigen Fächern bestehen Zulassungsbeschränkungen oder besondere Auswahlverfahren.

Das University College Freiburg bietet mit dem englischsprachigen Bachelorstudiengang Liberal Arts and Sciences ein fachübergreifendes Studium an. Internationale Austauschprogramme und Kooperationen ergänzen das Lehrangebot. Die Universität gehört außerdem dem trinationalen Hochschulverbund Eucor – The European Campus an, der Hochschulen am Oberrhein in Deutschland, Frankreich und der Schweiz verbindet.

Forschung

Die Forschung ist durch die Verbindung eines breiten Fächerspektrums mit interdisziplinären Einrichtungen gekennzeichnet. Bedeutende Arbeitsgebiete liegen unter anderem in den Lebenswissenschaften, der Medizin, der Materialforschung, der Mikrosystemtechnik sowie der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung. Auch die Geistes- und Sozialwissenschaften sind mit zahlreichen Forschungsprojekten vertreten.

Im Rahmen der deutschen Exzellenzinitiative wurde 2007 das Zukunftskonzept der Universität ausgezeichnet. Das Freiburg Institute for Advanced Studies, kurz FRIAS, fördert den wissenschaftlichen Austausch über Fachgrenzen hinweg und bietet Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftlern Möglichkeiten zu konzentrierter Forschungsarbeit.

2019 begann die Förderung der Exzellenzcluster CIBSS und livMatS. CIBSS untersucht biologische Signalprozesse und deren Bedeutung für das Verständnis und die Steuerung komplexer biologischer Systeme. livMatS verbindet Materialwissenschaften mit Ansätzen aus Biologie und Technik, um neuartige, anpassungsfähige Materialsysteme zu erforschen.

Eine wichtige Rolle spielt das Universitätsklinikum Freiburg. Es verbindet medizinische Forschung und Ausbildung mit der Versorgung von Patientinnen und Patienten. Darüber hinaus arbeitet die Universität mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen zusammen, darunter Institute der Fraunhofer-Gesellschaft und der Max-Planck-Gesellschaft.

Campus

Die Universität besitzt keinen einzigen, vollständig geschlossenen Campus. Ihre Einrichtungen verteilen sich auf mehrere Bereiche Freiburgs. Das historische Universitätszentrum liegt in der Innenstadt rund um die Kollegiengebäude, den Platz der Universität und den Platz der Alten Synagoge. Hier befinden sich zahlreiche geistes-, sozial- und rechtswissenschaftliche Einrichtungen.

Ein markantes Gebäude ist das 1911 eröffnete Kollegiengebäude I. In unmittelbarer Nähe steht die 2015 eröffnete neue Universitätsbibliothek mit ihrer auffälligen Glasfassade. Sie dient als zentrale Literatur- und Informationsversorgung und bietet umfangreiche Arbeitsmöglichkeiten.

Naturwissenschaftliche Institute konzentrieren sich unter anderem im Institutsviertel nördlich der Altstadt. Das Universitätsklinikum besitzt einen ausgedehnten Standort im Stadtteil Stühlinger. Die Technische Fakultät liegt beim Flugplatz im Nordwesten Freiburgs. Weitere Einrichtungen, darunter der Botanische Garten, ergänzen die über das Stadtgebiet verteilte Infrastruktur.

Bekannte Persönlichkeiten

Mit der Universität sind zahlreiche bedeutende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verbunden. Der Philosoph Edmund Husserl lehrte seit 1916 in Freiburg und prägte die Entwicklung der Phänomenologie. Edith Stein arbeitete zeitweise als seine Assistentin. Martin Heidegger entwickelte wesentliche Teile seines philosophischen Werks während seiner Freiburger Tätigkeit; seine politische Rolle im Nationalsozialismus bleibt zugleich Gegenstand kritischer Auseinandersetzung.

Der Ökonom Walter Eucken gehörte zu den zentralen Vertretern der Freiburger Schule des Ordoliberalismus. Auch Friedrich August von Hayek, Träger des Wirtschaftsnobelpreises von 1974, lehrte an der Universität.

Zu den mit Freiburg verbundenen naturwissenschaftlichen und medizinischen Nobelpreisträgern zählen der Entwicklungsbiologe Hans Spemann, der Chemiker Hermann Staudinger und der Virologe Harald zur Hausen. Ihre Tätigkeiten stehen für unterschiedliche Epochen und Forschungsgebiete der Hochschulgeschichte.

Weblinks