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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Aus Hochschulwiki

Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist eine staatliche Universität in Kiel, der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein. Sie wurde 1665 gegründet und hat rund 25.000 Studierende. Als Volluniversität umfasst sie ein breites Spektrum geistes-, gesellschafts-, natur- und lebenswissenschaftlicher sowie technischer Fächer. Sie ist die größte Hochschule des Landes und trägt den Namen ihres Gründers, Herzog Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf.

Geschichte

Die Universität wurde am 5. Oktober 1665 durch Herzog Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf eröffnet. Ihre Gründung sollte unter anderem die Ausbildung von Geistlichen, Juristen, Ärzten und Verwaltungsbeamten im eigenen Herrschaftsgebiet ermöglichen. Zu den Voraussetzungen gehörte ein kaiserliches Privileg zur Errichtung einer Universität. Die Hochschule bestand zunächst aus den vier traditionellen Fakultäten für Theologie, Rechtswissenschaft, Medizin und Philosophie.

Als erster Standort dienten Gebäude des ehemaligen Franziskanerklosters in der Kieler Altstadt. Der Wahlspruch der Universität lautet „Pax optima rerum“, sinngemäß „Frieden ist das höchste Gut“. Er wird bis heute als Ausdruck ihres Selbstverständnisses verwendet.

Die politischen Veränderungen in Schleswig und Holstein prägten auch die Hochschule. Nach der Eingliederung Schleswig-Holsteins in Preußen 1867 wurde sie zu einer preußischen Universität. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wuchsen die Studierendenzahl und die wissenschaftlichen Einrichtungen. Naturwissenschaften und Medizin gewannen an Bedeutung; zugleich entstanden zusätzliche Instituts- und Klinikgebäude.

Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden jüdische und politisch missliebige Hochschulangehörige entrechtet, entlassen oder vertrieben. Teile der Universität beteiligten sich aktiv an der ideologischen Neuausrichtung von Wissenschaft und Lehre. Insbesondere die nationalsozialistisch geprägte „Kieler Schule“ der Rechtswissenschaft steht für diese Entwicklung.

Im Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche Universitätsgebäude zerstört oder schwer beschädigt. Nach Kriegsende wurde der Lehrbetrieb wieder aufgenommen. Der Wiederaufbau führte zu einer räumlichen Verlagerung und zum Ausbau des heutigen Hauptcampus. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die CAU zu einer deutlich größeren Universität mit zusätzlichen Fachrichtungen. Die Technische Fakultät wurde 1990 gegründet.

Fakultäten und Studienangebot

Die Christian-Albrechts-Universität gliedert sich in acht Fakultäten:

  • Theologische Fakultät
  • Rechtswissenschaftliche Fakultät
  • Medizinische Fakultät
  • Philosophische Fakultät
  • Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
  • Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
  • Agrar- und Ernährungswissenschaftliche Fakultät
  • Technische Fakultät

Das Studienangebot reicht von Theologie, Rechtswissenschaft und Medizin über Sprach-, Kultur- und Geschichtswissenschaften bis zu Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften. Hinzu kommen Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Agrar- und Ernährungswissenschaften. Damit verbindet die Universität klassische akademische Disziplinen mit anwendungsorientierten Studienfeldern.

Die meisten grundständigen Studiengänge führen zu einem Bachelorabschluss, auf den ein Masterstudium aufbauen kann. Daneben bestehen Studiengänge mit anderen Abschlussformen, insbesondere das Staatsexamen in Rechtswissenschaft und Medizin sowie kirchliche und universitäre Abschlüsse in der Theologie. In zahlreichen Fächern sind Promotionen möglich.

Eine wichtige Aufgabe ist die Ausbildung von Lehrkräften, insbesondere für Gymnasien und Gemeinschaftsschulen. Die entsprechenden Studiengänge verbinden Fachwissenschaften mit Fachdidaktik und Bildungswissenschaften. Das Zentrum für Lehrerbildung unterstützt die fakultätsübergreifende Zusammenarbeit in diesem Bereich.

Internationale Austauschprogramme und Kooperationen ermöglichen Studienaufenthalte im Ausland. Zum Angebot gehören auch englischsprachige Masterstudiengänge. Die wissenschaftliche Weiterbildung und Angebote für den Wissenstransfer ergänzen das reguläre Studium.

Forschung

Die Forschung der CAU ist sowohl durch einzelne Fachdisziplinen als auch durch fakultätsübergreifende Schwerpunkte geprägt. Besonders sichtbar sind die Meereswissenschaften, die Lebenswissenschaften, die Erforschung gesellschaftlicher und kultureller Entwicklungen sowie die Material- und Nanowissenschaften.

In den Meereswissenschaften arbeitet die Universität eng mit dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel zusammen. Gemeinsame Berufungen und Forschungsprojekte verbinden die Einrichtungen, die organisatorisch eigenständig sind. Untersucht werden unter anderem marine Ökosysteme, Stoffkreisläufe und Wechselwirkungen zwischen Ozean und Klima. Der frühere Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“ bündelte zahlreiche dieser Forschungsaktivitäten.

In der Medizin und den Lebenswissenschaften bildet die Erforschung chronischer Entzündungen einen wichtigen Schwerpunkt. Der Exzellenzcluster „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ verbindet Grundlagenforschung mit Ansätzen für eine stärker individuell ausgerichtete Diagnose und Behandlung. Dabei kooperiert die CAU unter anderem mit der Universität zu Lübeck und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.

Der Exzellenzcluster „ROOTS – Social, Environmental, and Cultural Connectivity in Past Societies“ untersucht die Verflechtungen vergangener Gesellschaften mit ihren sozialen, kulturellen und natürlichen Lebensbedingungen. Archäologische, geisteswissenschaftliche und naturwissenschaftliche Methoden werden dafür zusammengeführt.

Materialwissenschaftliche und nanoskalige Forschung wird unter anderem im Schwerpunkt „Kiel Nano, Surface and Interface Science“ gebündelt. Weitere Forschungsthemen liegen in Landwirtschaft, Ernährung, Biodiversität, Energie und gesellschaftlichem Wandel.

Campus

Die Universität ist auf mehrere Standorte im Kieler Stadtgebiet verteilt. Der Hauptcampus liegt im Nordwesten der Stadt im Umfeld von Christian-Albrechts-Platz, Olshausenstraße und Leibnizstraße. Dort befinden sich zahlreiche Institute, Hörsäle, zentrale Verwaltungsbereiche sowie Einrichtungen des Studierendenwerks.

Zu den zentralen wissenschaftlichen Einrichtungen gehört die Universitätsbibliothek. Sie versorgt Forschung, Lehre und Studium mit gedruckter und elektronischer Literatur. Neben der Zentralbibliothek bestehen Fachbibliotheken an verschiedenen Standorten.

Die medizinischen Einrichtungen konzentrieren sich wesentlich auf den Kieler Campus des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in der Nähe der Innenstadt. Das UKSH ist zugleich mit der Universität zu Lübeck verbunden und übernimmt Aufgaben in Krankenversorgung, Forschung und medizinischer Ausbildung.

Ein weiterer wichtiger Standort ist das Gelände der Technischen Fakultät am Ostufer der Kieler Förde. Der Botanische Garten an der Universität dient Forschung und Lehre und ist zugleich öffentlich zugänglich. Wissenschaftliche Sammlungen und das Zoologische Museum vermitteln universitäre Forschung auch außerhalb des regulären Studienbetriebs.

Bekannte Persönlichkeiten

Mit der CAU sind zahlreiche bedeutende Wissenschaftler verbunden. Der Physiker Max Planck lehrte von 1885 bis 1889 in Kiel, bevor er nach Berlin wechselte. Heinrich Hertz war in den 1880er Jahren als Privatdozent an der Universität tätig.

Der Chemiker Otto Diels wirkte über viele Jahre in Kiel. Gemeinsam mit seinem früheren Schüler und Mitarbeiter Kurt Alder erhielt er 1950 den Nobelpreis für Chemie für die Entwicklung der Diels-Alder-Reaktion.

Zu den bekannten Vertretern der Geistes- und Sozialwissenschaften gehören der Soziologe Ferdinand Tönnies und der Rechtswissenschaftler Gustav Radbruch. Der Historiker Johann Gustav Droysen lehrte ebenfalls in Kiel und war während der Revolution von 1848/49 politisch aktiv. Diese Persönlichkeiten stehen für unterschiedliche Phasen und Fachtraditionen der Universitätsgeschichte.

Weblinks