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Eberhard Karls Universität Tübingen

Aus Hochschulwiki

Die Eberhard Karls Universität Tübingen ist eine staatliche Universität in Tübingen im Bundesland Baden-Württemberg. Sie wurde 1477 gegründet und zählt zu den ältesten Universitäten Deutschlands. Mit rund 28.000 Studierenden gehört sie zu den größeren Hochschulen des Landes. Als Volluniversität bietet sie ein breites Fächerspektrum in den Geistes-, Sozial-, Natur- und Lebenswissenschaften sowie in Theologie, Rechtswissenschaft und Medizin. Die Universität prägt das wissenschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Leben der Stadt und ist eng mit dem Universitätsklinikum Tübingen verbunden.

Geschichte

Die Universität wurde 1477 auf Initiative des württembergischen Grafen Eberhard im Bart gegründet. Seine Mutter Mechthild von der Pfalz unterstützte das Vorhaben. Die Gründung sollte die Ausbildung von Geistlichen, Verwaltungsbeamten und anderen gelehrten Fachkräften im württembergischen Herrschaftsgebiet ermöglichen. Wie bei spätmittelalterlichen Universitäten üblich, bestanden zunächst eine Artistenfakultät sowie Fakultäten für Theologie, Rechtswissenschaft und Medizin.

Mit der Einführung der Reformation in Württemberg im 16. Jahrhundert veränderte sich auch die Hochschule. Das 1536 eingerichtete Evangelische Stift wurde zu einer wichtigen Ausbildungsstätte des protestantischen theologischen Nachwuchses. Seine Geschichte ist eng mit der Universität verbunden. Zu den später besonders bekannten Stipendiaten gehörten Friedrich Hölderlin, Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Friedrich Wilhelm Joseph Schelling.

Im 19. Jahrhundert gewann Tübingen insbesondere durch Theologie, Philosophie und historische Forschung überregionale Bedeutung. Gleichzeitig entwickelten sich die Naturwissenschaften und die Medizin weiter. Neue Institute, Sammlungen und Klinikgebäude erweiterten die zuvor stark auf die Altstadt konzentrierte Hochschule.

Während des Nationalsozialismus beteiligte sich die Universität an der politischen und rassistischen Ausgrenzung. Jüdische und politisch unerwünschte Hochschulangehörige wurden verfolgt und vertrieben; wissenschaftliche Arbeit wurde teilweise in den Dienst nationalsozialistischer Ziele gestellt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Universität unter französischer Besatzung ihren Lehrbetrieb wieder auf. In den folgenden Jahrzehnten wuchs sie erheblich. Seit 2012 gehört sie zu den im Rahmen der deutschen Exzellenzförderung ausgezeichneten Universitäten.

Fakultäten und Studienangebot

Die Universität gliedert sich in sieben Fakultäten:

  • Evangelisch-Theologische Fakultät
  • Katholisch-Theologische Fakultät
  • Juristische Fakultät
  • Medizinische Fakultät
  • Philosophische Fakultät
  • Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
  • Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät

Das Studienangebot umfasst unter anderem Sprachen und Literaturen, Geschichte, Philosophie, Archäologie, Kulturwissenschaften, Wirtschaftswissenschaft, Soziologie, Politikwissenschaft und Erziehungswissenschaft. Hinzu kommen naturwissenschaftliche Fächer wie Biologie, Chemie, Physik und Geowissenschaften sowie Mathematik, Informatik und Psychologie. Medizin und Zahnmedizin sind mit der Ausbildung am Universitätsklinikum verbunden.

Ein großer Teil der Studiengänge führt zu Bachelor- und Masterabschlüssen. Daneben bestehen Studiengänge mit Staatsexamen oder kirchlichen Abschlussprüfungen. Auch die Ausbildung von Lehrkräften, insbesondere für das Gymnasium, gehört zu den Aufgaben der Universität.

In zahlreichen Fächern sind Promotionen möglich. Strukturierte Promotionsprogramme und Graduierteneinrichtungen ergänzen die individuelle Betreuung wissenschaftlicher Qualifikationsarbeiten. Internationale Hochschulpartnerschaften ermöglichen Studienaufenthalte und wissenschaftlichen Austausch. Besonders auf Master- und Promotionsebene gibt es auch englischsprachige Angebote.

Die gleichzeitige Präsenz einer evangelisch-theologischen und einer katholisch-theologischen Fakultät gehört zu den charakteristischen Merkmalen der Universität. Hinzu kommt das Zentrum für Islamische Theologie, das Forschung und akademische Ausbildung in diesem Fachgebiet betreibt.

Forschung

Die Forschung reicht von der Untersuchung antiker Kulturen bis zur Entwicklung rechnergestützter Verfahren für Medizin und Naturwissenschaften. Zu den besonders sichtbaren Arbeitsgebieten zählen Neurowissenschaften, Infektionsforschung, Immunologie, Krebsforschung, maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz. Ebenso besitzt die Universität ausgeprägte Forschungstraditionen in Archäologie, Sprachwissenschaft, Religionsforschung und Philosophie.

Eine wichtige Rolle spielen fächerübergreifende Verbünde. Die Universität beteiligt sich an Sonderforschungsbereichen der Deutschen Forschungsgemeinschaft und an der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder. Dabei werden sowohl wissenschaftliche Grundlagen als auch mögliche Anwendungen untersucht, etwa bei datenbasierten Methoden oder neuen medizinischen Behandlungsansätzen.

In Tübingen arbeitet die Universität mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen zusammen. Dazu gehören Max-Planck-Institute, unter anderem für biologische Kybernetik und intelligente Systeme. Das Universitätsklinikum verbindet medizinische Forschung mit Lehre und Krankenversorgung. Die räumliche Nähe dieser Einrichtungen erleichtert gemeinsame Projekte und den Austausch von Personal und wissenschaftlichen Methoden.

Ein bedeutendes Ereignis der Tübinger Wissenschaftsgeschichte war die Isolierung des von ihm „Nuclein“ genannten Materials durch Friedrich Miescher im Jahr 1869. Seine Arbeiten im Schloss Hohentübingen gelten als Ausgangspunkt der Entdeckung der DNA.

Campus

Die Universität besitzt keinen einzelnen, abgeschlossenen Campus. Ihre Gebäude verteilen sich über mehrere Bereiche des Stadtgebiets. Historische Universitätsbauten befinden sich in der Altstadt, darunter die Alte Aula. Das Schloss Hohentübingen beherbergt universitäre Institute und Sammlungen.

Im Talbereich nördlich der Altstadt liegen zahlreiche Einrichtungen der Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Neue Aula am Geschwister-Scholl-Platz gehört zu den bekanntesten Universitätsgebäuden. Auch die Universitätsbibliothek befindet sich in diesem Bereich. Sie versorgt Forschung und Lehre mit Literatur, digitalen Medien und Arbeitsplätzen.

Auf der Morgenstelle konzentriert sich ein großer Teil der naturwissenschaftlichen Einrichtungen. Weitere Klinik- und Forschungsgebäude liegen auf dem Schnarrenberg. Diese räumliche Verteilung spiegelt die verschiedenen Ausbauphasen der Hochschule wider.

Zum universitären Umfeld gehören außerdem der Botanische Garten und das Museum der Universität Tübingen. Die wissenschaftlichen Sammlungen dokumentieren Forschung und Lehre aus unterschiedlichen Jahrhunderten und sind teilweise öffentlich zugänglich.

Bekannte Persönlichkeiten

Zu den bekanntesten ehemaligen Studierenden zählt der Astronom Johannes Kepler. Auch der Humanist und Reformator Philipp Melanchthon studierte und lehrte in Tübingen. Hölderlin, Hegel und Schelling begegneten einander während ihrer Ausbildungszeit im Evangelischen Stift und wurden später zu prägenden Persönlichkeiten der deutschen Literatur und Philosophie.

In der Theologie sind unter anderem Ferdinand Christian Baur und sein Schüler David Friedrich Strauß mit Tübingen verbunden. Im 20. Jahrhundert lehrten hier unter anderem die katholischen Theologen Hans Küng und Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI.

Zu den bedeutenden Naturwissenschaftlern der Universitätsgeschichte gehören Friedrich Miescher und die Entwicklungsbiologin Christiane Nüsslein-Volhard. Sie studierte und promovierte in Tübingen und erhielt 1995 gemeinsam mit Edward B. Lewis und Eric F. Wieschaus den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Der Philosoph Ernst Bloch lehrte nach seiner Übersiedlung aus der DDR an der Universität.

Weblinks