Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) ist eine staatliche Universität in Mainz, der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz. Sie wurde 1477 gegründet und 1946 nach einer langen Unterbrechung des universitären Lehrbetriebs wiedereröffnet. Mit rund 30.000 Studierenden gehört sie zu den großen Hochschulen Deutschlands. Als Volluniversität verbindet sie Geistes-, Sozial-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften mit Naturwissenschaften und Medizin. Hinzu kommen künstlerische Studienangebote in Musik und bildender Kunst. Namensgeber ist der Mainzer Buchdrucker Johannes Gutenberg.
Geschichte
Die erste Mainzer Universität wurde 1477 auf Initiative des Mainzer Erzbischofs und Kurfürsten Diether von Isenburg eröffnet. Die päpstliche Genehmigung hatte Papst Sixtus IV. erteilt. Wie andere Universitäten ihrer Zeit besaß sie Fakultäten für Theologie, Medizin und Rechtswissenschaft sowie eine Artistenfakultät, die grundlegende wissenschaftliche Kenntnisse vermittelte. Die Hochschule war eng mit dem geistlichen und politischen Leben des Kurfürstentums Mainz verbunden.
Während der Frühen Neuzeit prägten konfessionelle Auseinandersetzungen und Reformbestrebungen ihre Entwicklung. Im 18. Jahrhundert wurden Lehrangebot und wissenschaftliche Einrichtungen ausgebaut. Die politischen Umbrüche infolge der Französischen Revolution und die französische Herrschaft am Rhein führten gegen Ende des Jahrhunderts jedoch dazu, dass der universitäre Lehrbetrieb weitgehend zum Erliegen kam. Einzelne Ausbildungsangebote bestanden noch darüber hinaus.
Die heutige Universität wurde am 22. Mai 1946 mit Unterstützung der französischen Besatzungsmacht eröffnet. Sie erhielt den Namen Johannes Gutenbergs, dessen Entwicklung des Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern die Verbreitung von Wissen nachhaltig verändert hatte. Als Hauptstandort dienten Gebäude einer ehemaligen Flakkaserne. In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Universität deutlich und entwickelte ein breites Fächerspektrum. Neue Forschungsgebäude, Bibliotheken und Einrichtungen für eine steigende Zahl von Studierenden ergänzten den Campus.
Fakultäten und Studienangebot
Die akademische Gliederung der JGU besteht aus zehn Fachbereichen. Die Bezeichnung „Fakultät“ wird daneben insbesondere in der Theologie verwendet. Die Fachbereiche umfassen:
- Katholische Theologie und Evangelische Theologie
- Sozialwissenschaften, Medien und Sport
- Rechts- und Wirtschaftswissenschaften
- Universitätsmedizin
- Philosophie und Philologie
- Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft
- Geschichts- und Kulturwissenschaften
- Physik, Mathematik und Informatik
- Chemie, Pharmazie und Geowissenschaften
- Biologie
Hinzu kommen die Hochschule für Musik Mainz und die Kunsthochschule Mainz, die als künstlerische Hochschulen in die Universität eingebunden sind. Sie ergänzen das wissenschaftliche Angebot durch künstlerische Ausbildung, praktische Arbeit und öffentliche Aufführungen beziehungsweise Ausstellungen.
Das Studienangebot reicht von Bachelor- und Masterstudiengängen bis zu Studiengängen mit Staatsexamen, darunter Medizin, Zahnmedizin, Pharmazie und Rechtswissenschaft. Eine wichtige Aufgabe ist außerdem die Ausbildung von Lehrkräften, insbesondere für Gymnasien. Promotionen ermöglichen eine weiterführende wissenschaftliche Qualifikation.
Eine Besonderheit ist der Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft am Standort Germersheim. Dort bilden Übersetzen und Dolmetschen sowie die wissenschaftliche Beschäftigung mit Sprachen und Kulturen einen Schwerpunkt. Internationale Hochschulpartnerschaften, Austauschprogramme und grenzüberschreitende Studienangebote ergänzen die Lehre. Die Universitätsbibliothek versorgt die verschiedenen Fächer mit gedruckter und elektronischer Literatur und bietet Arbeitsplätze sowie Unterstützung bei der wissenschaftlichen Informationssuche.
Forschung
Die Forschung der JGU deckt ein breites Spektrum ab. Zu ihren besonders sichtbaren Feldern zählen die Teilchen- und Kernphysik, die Materialwissenschaften, die Lebenswissenschaften und die Medizin. Daneben bestehen vielfältige geistes- und sozialwissenschaftliche Forschungsaktivitäten, etwa zur Geschichte, zu kulturellen Austauschprozessen und zur gesellschaftlichen Kommunikation.
In der Physik verfügt die Universität über große Forschungsanlagen. Das Mainzer Mikrotron MAMI ist ein Elektronenbeschleuniger, der insbesondere Untersuchungen zur Struktur von Materie ermöglicht. Der Forschungsreaktor TRIGA Mainz wird unter anderem für kernchemische und kernphysikalische Arbeiten eingesetzt. Die Teilchenphysik wurde im Rahmen der Exzellenzinitiative und der Exzellenzstrategie durch die Exzellenzcluster PRISMA und PRISMA+ gefördert.
In den Materialwissenschaften spielen die Eigenschaften und die gezielte Gestaltung neuer Materialien eine wichtige Rolle. Die Zusammenarbeit verbindet unter anderem Chemie und Physik. Medizinische Forschungsschwerpunkte umfassen Immunologie, Krebsforschung und translationale Medizin. Letztere soll Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung für Diagnostik und Behandlung nutzbar machen.
Die Universitätsmedizin Mainz verbindet Forschung und Lehre mit der Krankenversorgung. Sie ist zugleich ein bedeutender medizinischer Versorger der Region. Weitere Kooperationen bestehen mit außeruniversitären Einrichtungen, darunter dem Max-Planck-Institut für Chemie, dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung und dem Helmholtz-Institut Mainz. Diese Einrichtungen sind eigenständige Forschungspartner und keine Fachbereiche der Universität.
Campus
Der Hauptcampus liegt westlich der Mainzer Innenstadt in der Nähe des Stadtteils Bretzenheim. Ein großer Teil der wissenschaftlichen Einrichtungen befindet sich auf diesem zusammenhängenden Gelände. Neben Instituten und Hörsälen gehören Bibliotheken, Mensen, Sportanlagen und studentische Einrichtungen zum Campus. Die Bebauung verbindet umgenutzte Gebäude aus der Zeit vor der Wiedereröffnung mit zahlreichen später errichteten Hochschulbauten.
Zum Gelände gehört auch der Botanische Garten der Universität. Er dient Forschung und Lehre und vermittelt zugleich einer breiteren Öffentlichkeit Kenntnisse über Pflanzenvielfalt und ökologische Zusammenhänge. Öffentliche Vorträge, Konzerte und Ausstellungen schaffen weitere Verbindungen zwischen Hochschule und Stadtgesellschaft.
Nicht alle Einrichtungen liegen auf dem Hauptcampus. Die Universitätsmedizin besitzt einen eigenen Standort im Stadtgebiet. Der Fachbereich in Germersheim liegt außerhalb von Mainz. Bus- und Straßenbahnverbindungen erschließen den Hauptcampus; die 2016 eröffnete Mainzelbahn verbesserte seine Anbindung an weitere Stadtteile.
Bekannte Persönlichkeiten
Mit der älteren Universität war der Naturforscher, Reiseschriftsteller und Aufklärer Georg Forster verbunden. Er übernahm 1788 die Leitung der Universitätsbibliothek und beteiligte sich später an der Mainzer Republik.
Zu den prägenden Persönlichkeiten der wiedereröffneten Hochschule gehörte der Rechtswissenschaftler Walter Hallstein, ihr erster Rektor nach dem Zweiten Weltkrieg. Später wurde er erster Präsident der Kommission der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Der Chemiker Fritz Straßmann, der gemeinsam mit Otto Hahn entscheidende experimentelle Befunde zur Entdeckung der Kernspaltung geliefert hatte, lehrte ebenfalls in Mainz.
Die Kommunikationswissenschaftlerin Elisabeth Noelle-Neumann war Professorin an der Universität und prägte dort die Publizistikwissenschaft. Der Mediziner und Krebsforscher Uğur Şahin ist durch seine wissenschaftliche Tätigkeit mit der Universitätsmedizin verbunden. Gemeinsam mit Özlem Türeci und weiteren Beteiligten gründete er das Unternehmen BioNTech.
Zu den bekannten ehemaligen Studierenden gehören die Politikerinnen Malu Dreyer und Julia Klöckner sowie der Politiker Rainer Brüderle.