RWTH Aachen

Die RWTH Aachen University (kurz RWTH, ehemals Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen) ist eine staatliche Technische Universität in Aachen, Nordrhein-Westfalen. Sie wurde 1870 als Königlich Rheinisch-Westphälische Polytechnische Schule gegründet und ist mit rund 47.000 Studierenden eine der größten Technischen Hochschulen Europas.
Geschichte
Die Gründung der RWTH im Jahr 1870 erfolgte auf Initiative der Aachener und Kölner Industrie, die eine Ausbildungsstätte für Ingenieure in der westlichen Rheinprovinz forderte; die Eröffnung fand unter preußischer Trägerschaft statt. 1899 erhielt die Hochschule das Promotionsrecht und den Status einer Technischen Hochschule.
Im 20. Jahrhundert wuchs die RWTH zu einer der führenden Ingenieurschulen Deutschlands heran. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Lehrbetrieb unter großen Zerstörungen wieder aufgenommen. Seit den 1960er Jahren entstanden eine Medizinische Fakultät sowie Studiengänge jenseits der klassischen Technikfächer. 2007 wurde die RWTH in der ersten Runde der Exzellenzinitiative als Exzellenzuniversität ausgewählt, ebenso 2012 und 2019 in der Exzellenzstrategie. Seit 2007 firmiert sie unter dem internationalen Namen RWTH Aachen University.
Fakultäten und Studienangebot
Die RWTH gliedert sich in neun Fakultäten: Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften; Architektur; Bauingenieurwesen; Maschinenwesen; Georessourcen und Materialtechnik; Elektrotechnik und Informationstechnik; Geistes- und Sozialwissenschaften; Wirtschaftswissenschaften sowie Medizin. Das Angebot umfasst mehr als 150 Studiengänge; Schwerpunkte liegen bei den Ingenieur- und Naturwissenschaften, die meisten Studiengänge sind zulassungsbeschränkt oder -geprüft.
Campus
Der Campus liegt in der Aachener Innenstadt rund um das Hauptgebäude an der Templergraben und wurde in den vergangenen Jahrzehnten in Richtung des Stadtteils Melaten deutlich erweitert. Dort entsteht mit dem RWTH Aachen Campus eine große Forschungslandschaft, in der Universitätsinstitute und Unternehmen in gemeinsamen Clustern zusammenarbeiten, unter anderem zu Produktionstechnik, Logistik, Photonik und nachhaltigem Bauen. Universitätsklinikum ist das Universitätsklinikum Aachen am Stadtrand.
Forschung
Die RWTH gilt als eines der führenden Zentren der Ingenieurausbildung und -forschung in Deutschland. Besondere Bedeutung hat die Zusammenarbeit mit der Industrie: Im Forschungscampus-Modell forschen Unternehmen wie Automobilhersteller, Maschinenbauer und Halbleiterfirmen unmittelbar auf dem Campus. Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Produktionstechnik und Industrie 4.0, Energie- und Ressourceneffizienz, Werkstoffe, Medizintechnik sowie Datenwissenschaften und Simulation. Die RWTH gehört zur TU9-Allianz der führenden Technischen Universitäten Deutschlands und ist Gründungsmitglied der IDEA League.
Persönlichkeiten
Mit der RWTH verbunden sind unter anderem der Flugzeugpionier Hugo Junkers, der von 1897 bis 1912 als Professor in Aachen lehrte, der theoretische Physiker Arnold Sommerfeld (Professor 1900–1906) und der Aerodynamiker Theodore von Kármán (Professor 1913–1930). Der spätere Chemie-Nobelpreisträger Peter Debye studierte Elektrotechnik an der Aachener Hochschule. Zahlreiche Absolventen der RWTH übernahmen später Führungspositionen in der deutschen Industrie, insbesondere im Maschinenbau, in der Automobilindustrie und in der Elektrotechnik.