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Ruhr-Universität Bochum

Aus Hochschulwiki

Die Ruhr-Universität Bochum (RUB) ist eine staatliche Universität in Bochum im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Sie wurde 1962 gegründet und nahm 1965 ihren Lehrbetrieb auf. Mit rund 40.000 Studierenden gehört sie zu den großen Universitäten Deutschlands. Als Volluniversität umfasst sie ein breites Spektrum an Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Medizin. Ihr Hauptcampus liegt im südlichen Stadtteil Querenburg. Die Hochschule ist ein bedeutender Wissenschaftsstandort des Ruhrgebiets und arbeitet innerhalb der Universitätsallianz Ruhr eng mit der Technischen Universität Dortmund und der Universität Duisburg-Essen zusammen.

Geschichte

Die Gründung der Ruhr-Universität stand im Zusammenhang mit dem Ausbau des westdeutschen Hochschulsystems in den 1960er Jahren. Im dicht besiedelten Ruhrgebiet fehlte damals eine Universität mit einem umfassenden Fächerspektrum. Die neue Hochschule sollte zusätzliche Studienmöglichkeiten schaffen und den Zugang zu akademischer Bildung in einer stark industriell geprägten Region erweitern.

Nach ihrer Gründung 1962 wurde die Universität auf einem großen Gelände im Bochumer Süden aufgebaut. Der Lehrbetrieb begann 1965, während die Bauarbeiten noch liefen. Anders als historisch gewachsene Hochschulen mit über eine Innenstadt verteilten Instituten wurde die RUB als zusammenhängende Campusuniversität geplant. Verschiedene Wissenschaftsbereiche sollten räumlich benachbart sein und gemeinsame Einrichtungen nutzen.

In den folgenden Jahrzehnten wuchsen die Studierendenzahlen und das Fächerangebot. Zugleich entwickelte sich die Universität zu einem wichtigen Bestandteil des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturwandels im Ruhrgebiet. Forschung, wissenschaftliche Dienstleistungen und Ausgründungen ergänzten zunehmend die industrielle Wirtschaftsstruktur der Region.

Eine Besonderheit entstand mit dem „Bochumer Modell“ der medizinischen Ausbildung. Statt sämtliche klinischen Aufgaben in einem zentralen Universitätskrankenhaus zu bündeln, wurden bestehende Krankenhäuser in Forschung und Lehre einbezogen. Seit 2007 gehört die RUB der Universitätsallianz Ruhr an, die die Zusammenarbeit der drei beteiligten Universitäten in Forschung, Lehre und Verwaltung ausbaut.

Fakultäten und Studienangebot

Die Ruhr-Universität gliedert sich in 21 Fakultäten. Ihr Angebot reicht von theologischen und sprachwissenschaftlichen Fächern bis zu technischen Studiengängen. Zu den vertretenen Bereichen gehören:

  • Evangelische und Katholische Theologie;
  • Philosophie und Erziehungswissenschaft, Geschichtswissenschaften und Philologie;
  • Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaft und Sozialwissenschaft;
  • Ostasienwissenschaften, Psychologie und Sportwissenschaft;
  • Mathematik, Physik und Astronomie, Geowissenschaften sowie Chemie und Biochemie;
  • Biologie und Biotechnologie;
  • Bau- und Umweltingenieurwissenschaften, Maschinenbau sowie Elektrotechnik und Informationstechnik;
  • Informatik und Medizin.

Die Universität bietet Bachelor- und Masterstudiengänge sowie Studiengänge mit staatlichen Prüfungen an. Dazu zählen insbesondere Medizin und Rechtswissenschaft. In zahlreichen geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächern ist ein Zwei-Fächer-Studium möglich. Auch die Ausbildung von Lehrkräften, insbesondere für Gymnasien und Gesamtschulen, gehört zum Studienangebot.

Neben deutschsprachigen Studiengängen bestehen englischsprachige Angebote, vor allem auf Masterebene. Internationale Austauschprogramme und Partnerschaften ermöglichen Studienaufenthalte im Ausland. Für die wissenschaftliche Weiterqualifikation stehen Promotionen, strukturierte Promotionsprogramme und Angebote der fachübergreifenden Research School zur Verfügung. Beratungsstellen unterstützen unter anderem bei Studienwahl, Studienorganisation und Berufseinstieg.

Forschung

Die Forschung an der RUB verbindet disziplinäre Grundlagenarbeit mit fachübergreifenden Projekten. Zu den weithin sichtbaren Forschungsgebieten zählen IT-Sicherheit, Materialwissenschaften, Neurowissenschaften und die Untersuchung chemischer Prozesse in Lösungsmitteln. Hinzu kommen vielfältige Arbeiten in den Geistes-, Gesellschafts- und Lebenswissenschaften.

Der Exzellenzcluster RESOLV untersucht, wie Lösungsmittel chemische Reaktionen und biologische Vorgänge beeinflussen. Er verbindet unter anderem Chemie, Physik und angrenzende Disziplinen. Im Bereich der Cybersicherheit ist die Universität durch das Horst-Görtz-Institut für IT-Sicherheit und den Exzellenzcluster CASA bekannt. Dort werden beispielsweise kryptografische Verfahren, die Sicherheit von Computersystemen und menschliche Einflussfaktoren auf IT-Sicherheit erforscht.

In den Neurowissenschaften arbeiten Forschende verschiedener Fakultäten an Fragen zu Wahrnehmung, Lernen, Gedächtnis und Verhalten. Die Materialforschung beschäftigt sich unter anderem mit der Entwicklung und Charakterisierung neuer Werkstoffe. Medizinische Forschung findet sowohl auf dem Campus als auch an den Einrichtungen des Universitätsklinikums statt.

Die RUB beteiligt sich an Sonderforschungsbereichen und weiteren Verbundprojekten der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Kooperationen mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen ergänzen diese Arbeit. Der Wissenstransfer umfasst gemeinsame Entwicklungsprojekte, die Unterstützung wissenschaftlicher Ausgründungen und den Austausch mit öffentlichen Einrichtungen und der Stadtgesellschaft.

Campus

Der Hauptcampus in Querenburg ist durch seine großmaßstäbliche Architektur der 1960er und 1970er Jahre geprägt. Viele Gebäude wurden mit vorgefertigten Bauteilen errichtet; Sichtbeton und wiederkehrende Gebäudestrukturen bestimmen das Erscheinungsbild. Die Anlage wird häufig im Zusammenhang mit dem Brutalismus und der Hochschulbauplanung der Nachkriegszeit betrachtet.

Die Fakultätsgebäude sind in Gruppen angeordnet, deren Bezeichnungen eine Orientierung nach Wissenschaftsbereichen ermöglichen. Zu den zentralen Einrichtungen gehören die Universitätsbibliothek, die Mensa und das Audimax. Letzteres dient neben akademischen Veranstaltungen auch Konzerten und anderen öffentlichen Veranstaltungen. Wegen des Alters der Bausubstanz werden Campusbereiche schrittweise saniert oder durch Neubauten ergänzt.

Südlich der Universitätsgebäude liegt der Botanische Garten. Er umfasst Freilandanlagen und Gewächshäuser und dient sowohl wissenschaftlichen Zwecken als auch der Öffentlichkeit. Eine besondere Anlage ist der Chinesische Garten. Grünflächen und die Nähe zum südlichen Bochumer Landschaftsraum bilden einen Kontrast zur dichten Bebauung des Campus.

Die Kunstsammlungen der RUB umfassen unter anderem moderne Kunst und eine Antikensammlung. Der Campus ist über die Stadtbahnlinie U35 mit dem Bochumer Hauptbahnhof verbunden. Unmittelbar benachbart liegt das Uni-Center mit Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungen. Nicht alle Universitätseinrichtungen befinden sich auf dem Hauptcampus; insbesondere die klinische Medizin ist auf mehrere Krankenhausstandorte verteilt.

Bekannte Persönlichkeiten

Mit der Ruhr-Universität sind zahlreiche Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Politik verbunden. Der Rechtswissenschaftler und spätere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf war von 1967 bis 1969 Rektor der Hochschule. Die spätere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth lehrte in Bochum Erziehungswissenschaft. Ihr späterer Amtsnachfolger Norbert Lammert studierte an der RUB und wurde dort in Politikwissenschaft promoviert.

Zu den bekannten Wissenschaftlern der Universität gehört der Biopsychologe Onur Güntürkün, dessen Forschung sich unter anderem mit den neuronalen Grundlagen von Denken und Verhalten befasst. Der Philosoph Bernhard Waldenfels lehrte über viele Jahre in Bochum und ist insbesondere durch seine Arbeiten zur Phänomenologie bekannt.

Weblinks