Zum Inhalt springen

Technische Universität Bergakademie Freiberg

Aus Hochschulwiki

Die Technische Universität Bergakademie Freiberg (TU Bergakademie Freiberg, kurz TUBAF) ist eine staatliche Technische Universität in Freiberg im Freistaat Sachsen. Sie wurde 1765 als Ausbildungsstätte für das Berg- und Hüttenwesen gegründet und hat heute ungefähr 4.000 Studierende. Ihr fachliches Profil verbindet Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften. Besondere Schwerpunkte liegen auf der Gewinnung, Verarbeitung und Wiederverwertung von Rohstoffen sowie auf Werkstoffen, Energie und Umwelt. Die Hochschule gilt als die älteste noch bestehende montanwissenschaftliche Hochschule der Welt. Als Universität besitzt sie das Promotions- und Habilitationsrecht.

Geschichte

Die Gründung der Bergakademie erfolgte 1765 auf Initiative von Friedrich Anton von Heynitz und Friedrich Wilhelm von Oppel. Sie stand im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Neuordnung Sachsens nach dem Siebenjährigen Krieg. Der Bergbau und das Hüttenwesen waren für die Staatsfinanzen von erheblicher Bedeutung; entsprechend sollte die neue Einrichtung wissenschaftlich und praktisch ausgebildete Fachkräfte für diese Bereiche hervorbringen.

Der Standort Freiberg bot dafür günstige Voraussetzungen. Die Stadt war seit dem Mittelalter ein Zentrum des sächsischen Silberbergbaus und verfügte über Bergbehörden, Hüttenanlagen und umfangreiche bergmännische Erfahrungen. Kennzeichnend für die Ausbildung wurde die Verbindung von Unterricht, wissenschaftlichen Sammlungen und praktischer Arbeit in Bergwerken und Hütten.

Unter Abraham Gottlob Werner, der ab 1775 an der Bergakademie lehrte, gewann Freiberg internationale Bedeutung für Mineralogie und Geologie. Studierende aus verschiedenen Ländern trugen die dort vermittelten Kenntnisse weiter. Im 19. Jahrhundert kamen wichtige Beiträge zur Chemie hinzu: 1863 entdeckten Ferdinand Reich und Hieronymus Theodor Richter das Element Indium, 1886 wies Clemens Winkler Germanium nach.

Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Bergakademie zu einer technisch-naturwissenschaftlichen Hochschule mit einem breiteren Fächerspektrum. Während der DDR-Zeit blieb sie ein bedeutendes Ausbildungs- und Forschungszentrum für die Rohstoff- und Grundstoffindustrie. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden ihre Strukturen und Studienangebote neu geordnet. Seit 1993 trägt sie den Namen Technische Universität Bergakademie Freiberg.

Fakultäten und Studienangebot

Die Universität gliedert sich in sechs Fakultäten:

  • Fakultät für Mathematik und Informatik
  • Fakultät für Chemie, Physik und Biowissenschaften
  • Fakultät für Geowissenschaften, Geotechnik und Bergbau
  • Fakultät für Maschinenbau, Verfahrens- und Energietechnik
  • Fakultät für Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnologie
  • Fakultät für Wirtschaftswissenschaften

Das Studienangebot umfasst Bachelor-, Master- und Diplomstudiengänge. Hinzu kommen Möglichkeiten zur Promotion. Neben deutschsprachigen werden englischsprachige Studiengänge angeboten, die insbesondere in der weiterführenden wissenschaftlichen Ausbildung auch internationale Studierende ansprechen.

Zu den vertretenen Fachgebieten gehören unter anderem Mathematik, Informatik, Chemie, Physik, Geologie, Geophysik, Geotechnik und Bergbau. Weitere Schwerpunkte bilden Maschinenbau, Verfahrenstechnik, Energietechnik, Werkstoffwissenschaft, Werkstofftechnologie und Wirtschaftswissenschaften. Fachübergreifende Angebote verbinden technische und naturwissenschaftliche Inhalte mit Fragen der Unternehmensführung, der Umwelt oder der Ressourcenwirtschaft.

Charakteristisch ist die Verbindung theoretischer Grundlagen mit experimenteller und praktischer Ausbildung. Je nach Studienfach gehören Laborpraktika, Geländeübungen, Exkursionen und technische Projektarbeiten zum Studium. Einrichtungen der Universität ermöglichen dabei die Untersuchung von Prozessen vom geologischen Untergrund bis zum fertigen Werkstoff. Kooperationen mit Unternehmen und Forschungseinrichtungen eröffnen zusätzliche Möglichkeiten für Praktika und Abschlussarbeiten.

Forschung

Die Forschung orientiert sich wesentlich an den Themenfeldern Geo, Material, Energie und Umwelt. Im Mittelpunkt stehen natürliche Ressourcen und deren Nutzung entlang zusammenhängender Prozessketten: von der Erkundung von Lagerstätten über die Gewinnung und Aufbereitung bis zur Verarbeitung, Anwendung und Rückgewinnung von Materialien.

In den Geowissenschaften und im Bergbau werden unter anderem der Aufbau des Untergrundes, Lagerstätten, geotechnische Sicherheitsfragen und Gewinnungsverfahren untersucht. Die Werkstoffforschung beschäftigt sich mit der Entwicklung, Herstellung und Charakterisierung metallischer, keramischer und weiterer Materialien. In der Verfahrens- und Energietechnik spielen Stoffumwandlung, Energieeffizienz und die Verringerung umweltschädlicher Emissionen eine wichtige Rolle.

Ein übergreifender Schwerpunkt ist die Kreislaufwirtschaft. Dazu gehören Verfahren zur Rückgewinnung wertvoller Bestandteile aus Reststoffen und Abfällen sowie die möglichst effiziente Nutzung begrenzter Rohstoffe. Wirtschaftswissenschaftliche Forschung ergänzt diese Arbeiten um Fragen der Organisation, Bewertung und Steuerung von Ressourcenströmen.

Ein wichtiger Kooperationspartner ist das Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie. Es wurde 2011 gemeinsam vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf und der Universität gegründet und gehört zum Helmholtz-Zentrum. Seine Forschung konzentriert sich auf Technologien für die Bereitstellung und Nutzung mineralischer und metallhaltiger Rohstoffe.

Campus

Die Universität ist auf mehrere Standorte innerhalb Freibergs verteilt. Historische Hochschulgebäude befinden sich in der Altstadt, insbesondere im Umfeld der Akademiestraße. Nördlich des historischen Stadtzentrums liegt ein größerer Campusbereich mit Instituten, Laboratorien und Einrichtungen für den Hochschulbetrieb.

Eine besondere Infrastruktur bietet das Forschungs- und Lehrbergwerk mit den Schachtanlagen Reiche Zeche und Alte Elisabeth. Es erschließt Teile des historischen Freiberger Bergbaureviers und ermöglicht Lehre und Forschung unter realen Bedingungen unter Tage. Dort können beispielsweise geowissenschaftliche, bergbautechnische und messtechnische Fragestellungen bearbeitet werden.

Die wissenschaftlichen Sammlungen dokumentieren die lange Lehr- und Forschungsgeschichte der Bergakademie. Sie umfassen unter anderem Minerale, Gesteine, Erze und paläontologische Objekte. Eine öffentlich bekannte Einrichtung ist die 2008 eröffnete mineralogische Ausstellung terra mineralia im Schloss Freudenstein. Ihre Grundlage bildet eine umfangreiche Sammlung der Schweizer Sammlerin Erika Pohl-Ströher, die der Universität als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt wurde.

Zur Infrastruktur gehören außerdem die Universitätsbibliothek, Einrichtungen des Hochschulsports sowie studentische Arbeits- und Begegnungsräume. Mensen und Wohnheime werden vom Studentenwerk Freiberg betreut.

Bekannte Persönlichkeiten

Zu den mit der Hochschule verbundenen Persönlichkeiten zählen:

  • Abraham Gottlob Werner (1749–1817), Mineraloge und einflussreicher Lehrer der frühen Geowissenschaften.
  • Alexander von Humboldt (1769–1859), Naturforscher und Forschungsreisender, der 1791 und 1792 in Freiberg studierte.
  • Novalis (1772–1801), eigentlich Friedrich von Hardenberg, Schriftsteller der Frühromantik; er studierte von 1797 bis 1799 an der Bergakademie.
  • Ferdinand Reich (1799–1882), Physiker und Chemiker sowie Mitentdecker des Indiums.
  • Hieronymus Theodor Richter (1824–1898), Chemiker, Mitentdecker des Indiums und späterer Leiter der Bergakademie.
  • Clemens Winkler (1838–1904), Chemiker und Professor in Freiberg, der durch die Entdeckung des Germaniums bekannt wurde.

Weblinks