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Technische Universität Ilmenau

Aus Hochschulwiki

Die Technische Universität Ilmenau (TU Ilmenau) ist eine staatliche Technische Universität in Ilmenau im Freistaat Thüringen. Ihre Geschichte geht auf das 1894 gegründete Thüringische Technikum zurück. Den Status und Namen einer Technischen Universität erhielt sie 1992. An der Hochschule studieren ungefähr 5.000 Menschen; die Zahl schwankt je nach Studienjahr. Das fachliche Profil umfasst Ingenieurwissenschaften, Informatik, Mathematik und Naturwissenschaften sowie wirtschafts- und medienwissenschaftliche Disziplinen. Die TU Ilmenau ist die einzige Technische Universität Thüringens. Als vergleichsweise kleine Universität verbindet sie eine technisch-naturwissenschaftliche Ausrichtung mit fachübergreifenden Studien- und Forschungsangeboten.

Geschichte

Ausgangspunkt der Hochschulentwicklung war das Thüringische Technikum, das 1894 in Ilmenau eröffnet wurde. Die zunächst private technische Lehranstalt bildete Fachkräfte insbesondere für elektrotechnische und maschinenbauliche Aufgaben aus. Ihre Entstehung fiel in eine Phase, in der die wachsende Industrie einen zunehmenden Bedarf an technisch ausgebildetem Personal hatte.

1953 wurde die Hochschule für Elektrotechnik Ilmenau gegründet. Damit begann der Ausbau zu einer wissenschaftlichen Hochschule mit universitärer Lehre und Forschung. Die Elektrotechnik bildete zunächst den Schwerpunkt; weitere ingenieurwissenschaftliche und naturwissenschaftliche Fachgebiete kamen hinzu. Im Jahr 1963 erhielt die Einrichtung den Namen Technische Hochschule Ilmenau.

Mit dem Wachstum der Hochschule entstanden auf dem Ehrenberg neue Lehr-, Forschungs- und Wohngebäude. Der dort entwickelte Campus prägt die Universität bis heute. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden die akademischen und organisatorischen Strukturen neu geordnet. 1992 erfolgte die Erhebung zur Technischen Universität.

In den folgenden Jahrzehnten wurden Gebäude modernisiert, Forschungsinfrastrukturen erweitert und neue Studienangebote eingerichtet. Neben den klassischen technischen Fächern gewannen insbesondere Informatik, Medien und die Verbindung von Technik und Wirtschaft an Bedeutung. Die internationale Zusammenarbeit und der Austausch von Studierenden entwickelten sich zu weiteren Bestandteilen des Hochschulprofils.

Fakultäten und Studienangebot

Die TU Ilmenau gliedert sich in fünf Fakultäten:

  • Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik
  • Fakultät für Informatik und Automatisierung
  • Fakultät für Maschinenbau
  • Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften
  • Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Medien

Das Studienangebot reicht von Elektrotechnik, Informatik und Maschinenbau über Mathematik und technische beziehungsweise naturwissenschaftliche Studienrichtungen bis zu Wirtschaftsingenieurwesen und medienbezogenen Fächern. Charakteristisch sind Verbindungen zwischen unterschiedlichen Disziplinen, beispielsweise bei der Entwicklung automatisierter Systeme, in der Medientechnik oder bei der wirtschaftlichen Bewertung technischer Innovationen.

Die Universität bietet Bachelor- und Masterstudiengänge sowie Möglichkeiten zur Promotion und Habilitation an. Unterrichtssprache ist je nach Studiengang Deutsch oder Englisch. Insbesondere auf Masterebene bestehen englischsprachige Angebote, die auch internationale Studierende ansprechen.

In den technischen Studiengängen ergänzen Laborpraktika, Übungen und Projektarbeiten die Vorlesungen. Dabei werden theoretische Grundlagen mit experimentellen und konstruktiven Aufgaben verbunden. Abschlussarbeiten können im Zusammenhang mit Forschungsprojekten oder in Zusammenarbeit mit Unternehmen entstehen. Die wirtschafts- und medienwissenschaftlichen Fächer untersuchen unter anderem betriebliche Entscheidungen, Kommunikationsprozesse und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen technischer Entwicklungen.

Forschung

Die Forschung der TU Ilmenau umfasst sowohl grundlagenorientierte als auch anwendungsbezogene Arbeiten. Zu den etablierten Themenfeldern gehören Mikro- und Nanotechnologien, Mess- und Sensortechnik, Informations- und Kommunikationstechnik, Automatisierung, Werkstoffe sowie Energie- und Mobilitätssysteme.

Ein prägendes Gebiet ist die Präzisionsmesstechnik. Hier beschäftigt sich die Universität unter anderem mit der hochgenauen Positionierung und Vermessung kleinster Strukturen. Solche Verfahren sind für die Fertigung, die Materialuntersuchung und die Entwicklung miniaturisierter Bauteile relevant. Weitere Arbeiten befassen sich mit elektronischen Systemen, Signalverarbeitung und der zuverlässigen Steuerung technischer Prozesse.

In der Medienforschung treffen technische und sozialwissenschaftliche Ansätze aufeinander. Untersucht werden beispielsweise die Verarbeitung audiovisueller Signale, digitale Kommunikationsangebote und die Nutzung von Medien. Die Verbindung verschiedener Fachrichtungen ermöglicht es, sowohl technische Eigenschaften als auch Wahrnehmung und gesellschaftliche Bedeutung von Medien einzubeziehen.

Die Universität arbeitet mit Unternehmen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zusammen. Zum regionalen Forschungsumfeld gehören das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT und das Institut für Mikroelektronik- und Mechatronik-Systeme IMMS. Das Thüringer Innovationszentrum Mobilität an der TU Ilmenau bündelt Forschungsaktivitäten zu Fahrzeugtechnik und Mobilität. Solche Kooperationen unterstützen den Austausch zwischen wissenschaftlicher Entwicklung und industrieller Anwendung.

Campus

Der größte Teil der Universität befindet sich auf dem Campus am Ehrenberg, östlich des Ilmenauer Stadtzentrums. Dort liegen zahlreiche Fakultätsgebäude, Hörsäle, Labore und zentrale Einrichtungen in räumlicher Nähe zueinander. Auch die Universitätsbibliothek, die Mensa und mehrere studentische Wohnanlagen gehören zum Campusumfeld. Das Ernst-Abbe-Zentrum ist eines der markanten Universitätsgebäude.

Daneben nutzt die Hochschule Gebäude im Stadtgebiet. Dazu zählt das traditionsreiche Georg-Schmidt-Technikum, das mit der historischen Entwicklung der technischen Ausbildung in Ilmenau verbunden ist. Die Universität verteilt sich somit auf einen großen zusammenhängenden Campus und weitere Standorte.

Das studentische Leben wird durch Fachschaftsräte, Hochschulgruppen, Sportangebote und kulturelle Initiativen mitgestaltet. Bekannt ist die International Student Week in Ilmenau, kurz ISWI, die Studierende aus verschiedenen Ländern zu Austausch und Diskussion zusammenführt. Studentische Medien wie der Radiosender radio hsf und das Fernsehprojekt iSTUFF bieten Möglichkeiten, praktische Erfahrungen in Produktion und Redaktion zu sammeln.

Die Lage am Rand des Thüringer Waldes eröffnet zudem Möglichkeiten für Wanderungen und andere Freizeitaktivitäten außerhalb des Campus.

Bekannte Persönlichkeiten

  • Karlheinz Brandenburg war Professor für Elektronische Medientechnik an der TU Ilmenau und leitete das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT. Er gehört zu den maßgeblichen Mitentwicklern des Audiokompressionsverfahrens MP3.
  • Dagmar Schipanski war Physikerin und Professorin in Ilmenau. Von 1995 bis 1996 stand sie der Universität als Rektorin vor. Später übernahm sie politische Ämter, unter anderem als Thüringer Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst.
  • Peter Scharff, Chemiker und Hochschullehrer, war von 2004 bis 2017 Rektor der TU Ilmenau. Seine wissenschaftliche Arbeit umfasst unter anderem die Chemie von Kohlenstoffmaterialien.

Weblinks