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Universität Bremen

Aus Hochschulwiki

Die Universität Bremen ist eine staatliche Universität in der Stadt Bremen im Bundesland Freie Hansestadt Bremen. Sie wurde 1971 gegründet und hat rund 18.000 Studierende. Als fachlich breit aufgestellte Hochschule verbindet sie Natur- und Ingenieurwissenschaften mit Sozial-, Geistes-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Zu ihren Aufgaben gehören wissenschaftliche Forschung, akademische Ausbildung und der Austausch mit Gesellschaft und Wirtschaft. Die Universität ist insbesondere für ihre Meeres- und Klimaforschung sowie für ihre interdisziplinäre Ausrichtung bekannt.

Geschichte

Die Universität Bremen entstand während des Ausbaus des westdeutschen Hochschulsystems in den 1960er- und 1970er-Jahren. Nach längeren politischen und organisatorischen Vorbereitungen nahm sie 1971 den Lehrbetrieb auf. Ihre Gründung war mit dem Anspruch verbunden, neue Formen des Studiums und der universitären Zusammenarbeit zu erproben.

Unter der Bezeichnung „Bremer Modell“ wurden mehrere Reformansätze zusammengefasst. Dazu gehörten ein ausgeprägter Praxis- und Gesellschaftsbezug, fächerübergreifende Lehrveranstaltungen und das Lernen in Projekten. Studierende sollten wissenschaftliche Fragestellungen nicht ausschließlich innerhalb einzelner Disziplinen bearbeiten, sondern auch deren gesellschaftliche Voraussetzungen und Folgen untersuchen. Die Beteiligung unterschiedlicher Hochschulgruppen an universitären Entscheidungen spielte ebenfalls eine wichtige Rolle.

Die Anfangsjahre waren von hochschulpolitischen Auseinandersetzungen und öffentlichen Debatten über das Reformkonzept geprägt. In den folgenden Jahrzehnten erweiterte die Universität ihr Fächerspektrum und baute insbesondere die Natur- und Ingenieurwissenschaften aus. Mit zusätzlichen Forschungsinstituten und der Entwicklung des benachbarten Technologieparks gewann der Standort an wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung.

2012 war die Universität mit ihrem Zukunftskonzept in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder erfolgreich. Dieser Erfolg stärkte ihre überregionale Sichtbarkeit. Zugleich blieben Elemente des ursprünglichen Reformansatzes, etwa projektorientiertes und forschendes Lernen, Bestandteil ihres Selbstverständnisses.

Fakultäten und Studienangebot

Die Universität Bremen gliedert sich nicht in Fakultäten, sondern in zwölf Fachbereiche. Diese bilden die organisatorische Grundlage für einen großen Teil von Forschung und Lehre:

  • Fachbereich 1: Physik/Elektrotechnik
  • Fachbereich 2: Biologie/Chemie
  • Fachbereich 3: Mathematik/Informatik
  • Fachbereich 4: Produktionstechnik – Maschinenbau & Verfahrenstechnik
  • Fachbereich 5: Geowissenschaften
  • Fachbereich 6: Rechtswissenschaft
  • Fachbereich 7: Wirtschaftswissenschaft
  • Fachbereich 8: Sozialwissenschaften
  • Fachbereich 9: Kulturwissenschaften
  • Fachbereich 10: Sprach- und Literaturwissenschaften
  • Fachbereich 11: Human- und Gesundheitswissenschaften
  • Fachbereich 12: Erziehungs- und Bildungswissenschaften

Das Studienangebot umfasst Bachelor- und Masterstudiengänge sowie das rechtswissenschaftliche Studium mit dem Ziel der ersten juristischen Prüfung. Hinzu kommen Promotionsmöglichkeiten und Angebote der wissenschaftlichen Weiterbildung. Die Lehrkräftebildung ist eine wichtige Aufgabe der Universität und verbindet fachwissenschaftliche, fachdidaktische und erziehungswissenschaftliche Studienanteile.

Neben klassischen Disziplinen wie Geschichte, Mathematik oder Betriebswirtschaftslehre bestehen fachübergreifende Angebote, beispielsweise in den Umweltwissenschaften, der Gesundheitsforschung und den digitalen Medien. In zahlreichen Studiengängen werden praktische Übungen, Laborarbeit oder Studienprojekte eingesetzt. Internationale Masterprogramme und Austauschmöglichkeiten ergänzen das Angebot. Die genauen Studiengangsbezeichnungen, Zulassungsvoraussetzungen und Unterrichtssprachen unterscheiden sich je nach Fach und Abschluss.

Forschung

Ein besonders sichtbarer Forschungsschwerpunkt liegt in den Meeres-, Polar- und Klimawissenschaften. Das MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften untersucht unter anderem die Rolle der Ozeane im Erdsystem, marine Stoffkreisläufe und die Entwicklung des Meeresbodens. Dabei kommen Forschungsschiffe, Unterwasserfahrzeuge und geowissenschaftliche Untersuchungsverfahren zum Einsatz. Das MARUM ist auch institutionell eng mit der internationalen Meeresforschung verbunden.

Weitere wichtige Forschungsgebiete sind Materialwissenschaften und Produktionstechnik, Informations- und Kommunikationstechnologien, Sozialwissenschaften sowie Gesundheitswissenschaften. In der Informatik werden unter anderem künstliche Intelligenz, Robotik und Methoden zur Entwicklung zuverlässiger technischer Systeme untersucht. Die sozialwissenschaftliche Forschung beschäftigt sich beispielsweise mit sozialer Ungleichheit, Wohlfahrtsstaatlichkeit und politischem Wandel.

Die Universität arbeitet mit zahlreichen außeruniversitären Einrichtungen zusammen. Dazu gehören das Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung und das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM. Auch mit dem Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven bestehen enge wissenschaftliche Verbindungen.

Koordinierte Forschungsprojekte und gemeinsame Einrichtungen ermöglichen die Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg. Zum wissenschaftlichen Nachwuchs gehören Promovierende und Forschende in frühen Karrierephasen, die sowohl innerhalb der Fachbereiche als auch in strukturierten Programmen arbeiten. Der Transfer wissenschaftlicher Ergebnisse erfolgt unter anderem durch Kooperationen mit Unternehmen, öffentliche Veranstaltungen und die Unterstützung von Ausgründungen.

Campus

Der Hauptcampus liegt im Bremer Stadtteil Horn-Lehe im Nordosten der Stadt. Die Universität ist überwiegend als Campushochschule angelegt: Lehrgebäude, Labore, Bibliothek und Einrichtungen des studentischen Alltags befinden sich in räumlicher Nähe. Die Architektur zeigt unterschiedliche Ausbauphasen, von funktionalen Gebäuden der Gründungszeit bis zu später errichteten Forschungsbauten.

Eine zentrale Einrichtung ist die Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, die sowohl die Hochschule als auch die Öffentlichkeit mit wissenschaftlicher Literatur und digitalen Informationsangeboten versorgt. Mensen und weitere Angebote des Studierendenwerks ergänzen die Infrastruktur. Der Campus ist durch Straßenbahn- und Busverbindungen an die Innenstadt und den Hauptbahnhof angebunden.

Unmittelbar benachbart liegt der Technologiepark Universität Bremen mit Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Diese räumliche Verbindung erleichtert Kooperationen und den Austausch zwischen Wissenschaft und beruflicher Praxis. In der Umgebung befinden sich außerdem das Universum Bremen als Einrichtung der Wissenschaftsvermittlung und der Stadtwaldsee. Hochschulsport, studentische Initiativen und kulturelle Veranstaltungen tragen zum Campusleben bei.

Bekannte Persönlichkeiten

Zu den bekannten Wissenschaftlern der Universität gehörte der Neurobiologe Gerhard Roth. Er lehrte seit 1976 in Bremen und wurde durch seine Arbeiten zur Gehirnforschung sowie durch Beiträge zur Diskussion über Bewusstsein und Willensfreiheit bekannt.

Der Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel prägte die wirtschaftspolitische Debatte als Vertreter einer keynesianisch orientierten Ökonomie. Der Informatiker Frieder Nake verbindet wissenschaftliche Arbeit mit einem frühen und international beachteten Beitrag zur Computerkunst.

Die Meeresbiologin Antje Boetius ist durch ihre Forschung zu mikrobiellen Lebensgemeinschaften im Meer und durch ihre Wissenschaftskommunikation bekannt. Ihre wissenschaftliche Laufbahn ist eng mit Bremen und der dortigen Meeresforschung verbunden.

Zu den Absolventinnen gehört die Politikerin Sarah Ryglewski, die an der Universität Politikwissenschaft studierte und später Mitglied des Deutschen Bundestages wurde. Die Beispiele verdeutlichen die fachliche Vielfalt der Hochschule und ihre Verbindungen zu Wissenschaft, Kultur und Politik.

Weblinks