Universität Duisburg-Essen
Die Universität Duisburg-Essen (UDE) ist eine staatliche Universität mit Standorten in Duisburg und Essen in Nordrhein-Westfalen. Sie entstand am 1. Januar 2003 durch die Zusammenführung der beiden zuvor selbstständigen Universitäten Duisburg und Essen. Mit rund 40.000 Studierenden gehört sie zu den großen Universitäten Deutschlands; die genaue Studierendenzahl schwankt je nach Semester. Ihr Fächerspektrum umfasst Geistes-, Gesellschafts-, Bildungs- und Wirtschaftswissenschaften sowie Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Medizin. Als Hochschule im Ruhrgebiet verbindet sie ein breites wissenschaftliches Angebot mit Forschung zu gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technischen Veränderungen. Gemeinsam mit der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität Dortmund bildet sie die Universitätsallianz Ruhr.
Geschichte
Die heutige Universität hat mehrere historische Wurzeln. In Duisburg bestand bereits von 1655 bis 1818 eine Universität. Diese frühneuzeitliche Hochschule ist jedoch nicht institutionell mit der heutigen UDE gleichzusetzen. Ihre Erinnerung spielt insbesondere für die Duisburger Hochschultradition eine Rolle.
Die unmittelbaren Vorgängereinrichtungen der UDE wurden 1972 als Gesamthochschulen gegründet. Die damalige nordrhein-westfälische Hochschulpolitik verfolgte das Ziel, den Zugang zu akademischer Bildung zu erweitern und unterschiedliche Studienwege miteinander zu verbinden. In die neuen Einrichtungen gingen unter anderem bestehende pädagogische und ingenieurwissenschaftliche Ausbildungsstätten ein. Duisburg und Essen entwickelten anschließend jeweils eigenständige wissenschaftliche Schwerpunkte.
Die Duisburger Hochschule erhielt 1994 den Namen Gerhard-Mercator-Universität. Damit erinnerte sie an den Kartografen Gerhard Mercator, der im 16. Jahrhundert in Duisburg gelebt und gearbeitet hatte. In Essen prägten unter anderem die Medizin, die Naturwissenschaften und die Lehrkräftebildung das Hochschulprofil.
Die Fusion von 2003 führte beide Einrichtungen unter einer gemeinsamen Leitung zusammen. Sie erforderte eine Neuordnung von Verwaltung, Fakultäten und Studienangeboten. Der Zusammenschluss beseitigte die räumliche Zweiteilung jedoch nicht: Duisburg und Essen blieben gleichwertige Hochschulstandorte. Ein weiterer Schritt der regionalen Zusammenarbeit war 2007 die Gründung der heutigen Universitätsallianz Ruhr.
Fakultäten und Studienangebot
Die Universität Duisburg-Essen gliedert sich in elf Fakultäten:
- Fakultät für Geisteswissenschaften
- Fakultät für Gesellschaftswissenschaften
- Fakultät für Bildungswissenschaften
- Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
- Mercator School of Management – Fakultät für Betriebswirtschaftslehre
- Fakultät für Mathematik
- Fakultät für Physik
- Fakultät für Chemie
- Fakultät für Biologie
- Fakultät für Ingenieurwissenschaften
- Medizinische Fakultät
Das Studienangebot reicht von sprach- und kulturwissenschaftlichen Fächern über Sozialwissenschaften und Wirtschaft bis zu technischen und medizinischen Disziplinen. Zu den vertretenen ingenieurwissenschaftlichen Bereichen gehören beispielsweise Maschinenbau, Elektrotechnik und Bauingenieurwesen. Informatik wird in unterschiedlichen fachlichen Zusammenhängen angeboten.
Die meisten gestuften Studiengänge führen zu Bachelor- oder Masterabschlüssen. Das Studium der Humanmedizin richtet sich dagegen nach den staatlichen Vorgaben für die ärztliche Ausbildung und schließt mit den entsprechenden staatlichen Prüfungen ab. Darüber hinaus besitzt die Universität das Promotions- und Habilitationsrecht.
Einen wichtigen Bestandteil bildet die Lehrkräftebildung für unterschiedliche Schulformen. Dabei arbeiten die jeweiligen Fachwissenschaften, die Fachdidaktiken und die Bildungswissenschaften zusammen. Internationale Studienangebote, Austauschprogramme und englischsprachige Masterstudiengänge ergänzen das Lehrangebot. Die konkrete Auswahl an Studiengängen und Zulassungsbedingungen wird regelmäßig angepasst.
Forschung
Die Forschung der UDE verbindet disziplinäre Grundlagenarbeit mit fachübergreifenden Fragestellungen. Zu ihren etablierten Profilbereichen zählen Nanowissenschaften, biomedizinische Wissenschaften, urbane Systeme und der Wandel von Gegenwartsgesellschaften. Diese Themen greifen sowohl internationale Forschungsentwicklungen als auch besondere Bedingungen des Ruhrgebiets auf.
Im Center for Nanointegration Duisburg-Essen, kurz CENIDE, arbeiten Forschende unter anderem an nanoskaligen Materialien, ihren Eigenschaften und technischen Anwendungen. Beteiligt sind insbesondere Natur- und Ingenieurwissenschaften. Das Zentrum für Medizinische Biotechnologie verbindet biologische, chemische und medizinische Ansätze bei der Untersuchung molekularer und zellulärer Prozesse.
Die medizinische Forschung ist eng mit dem Universitätsklinikum Essen verknüpft. Bedeutende Arbeitsfelder sind unter anderem Krebsmedizin, Transplantation und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dabei bestehen Verbindungen zwischen experimenteller Forschung und klinischer Versorgung.
Weitere Einrichtungen widmen sich beispielsweise der Wasser- und Umweltforschung oder der Entwicklung softwarebasierter Systeme. Das Institut für Ostasienwissenschaften untersucht politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen in Ostasien. In den Gesellschaftswissenschaften werden unter anderem Migration, soziale Ungleichheit und politische Prozesse erforscht.
Über die Universitätsallianz Ruhr kooperiert die UDE mit den Universitäten in Bochum und Dortmund. Die Zusammenarbeit umfasst gemeinsame Forschungsverbünde, wissenschaftliche Infrastruktur und Angebote für Forschende in frühen Karrierephasen. Hinzu kommen Kooperationen mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen.
Campus
Die Universität besitzt keinen einzelnen, zusammenhängenden Zentralcampus. Ihre Gebäude verteilen sich auf die beiden namensgebenden Städte und weitere Einrichtungen in deren Umfeld.
Der Duisburger Campus liegt überwiegend im Stadtteil Neudorf in der Nähe des Hauptbahnhofs. Hier befinden sich unter anderem große Teile der Ingenieurwissenschaften sowie gesellschafts- und wirtschaftswissenschaftliche Einrichtungen. Der Essener Hauptcampus liegt nördlich der Innenstadt im Bereich des Universitätsviertels. Dort sind zahlreiche geisteswissenschaftliche, bildungswissenschaftliche, naturwissenschaftliche und wirtschaftswissenschaftliche Einrichtungen angesiedelt.
Die Medizinische Fakultät und das Universitätsklinikum befinden sich vor allem im Essener Stadtteil Holsterhausen. Dieser Standort besitzt durch seine Krankenversorgung, Forschungsgebäude und medizinischen Lehrstätten einen eigenen Charakter.
Die Universitätsbibliothek versorgt beide Städte über mehrere Fachbibliotheken mit gedruckten und digitalen Medien. Mensen, Wohnheime und soziale Beratungsangebote werden wesentlich durch das Studierendenwerk Essen-Duisburg bereitgestellt. Hinzu kommen Hochschulsport, studentische Initiativen und kulturelle Angebote. Wegen der räumlichen Verteilung können abhängig vom Studiengang Lehrveranstaltungen an unterschiedlichen Standorten stattfinden.
Bekannte Persönlichkeiten
Mit der Universität und ihren Vorgängereinrichtungen sind zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verbunden. Der Chemiker Ferdi Schüth war von 1993 bis 1998 Professor in Duisburg, bevor er an das Max-Planck-Institut für Kohlenforschung wechselte.
Der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte ist insbesondere durch seine Arbeiten zu Parteien, Wahlen und politischer Führung sowie durch seine öffentliche Wahlanalyse bekannt. Die Sozialwissenschaftlerin Ute Klammer arbeitet unter anderem zu Sozialpolitik, Erwerbsverläufen und Geschlechtergerechtigkeit.
Der Geograf Ulrich Radtke leitete die Universität von 2008 bis 2022 als Rektor. Die Chemikerin Barbara Albert übernahm 2022 als erste Frau das Rektorat der UDE. Gerhard Mercator, dessen Name in Duisburg weiterhin in Hochschuleinrichtungen präsent ist, gehört dagegen zur historischen Bezugstradition und war kein Angehöriger der heutigen Universität.