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Universität Münster

Aus Hochschulwiki

Die Universität Münster ist eine staatliche Universität in Münster in Nordrhein-Westfalen. Sie wurde 1780 gegründet und gehört mit rund 40.000 Studierenden zu den großen Universitäten Deutschlands. Als Volluniversität bietet sie ein breites Spektrum geisteswissenschaftlicher, gesellschaftswissenschaftlicher, naturwissenschaftlicher und medizinischer Fächer an. Von 1907 bis 2023 trug sie den Namen Westfälische Wilhelms-Universität Münster, abgekürzt WWU. Die Hochschule prägt Münster als Wissenschafts- und Studierendenstadt; ihre Einrichtungen verteilen sich auf zahlreiche Standorte innerhalb des Stadtgebiets.

Geschichte

Die Gründung der Universität geht wesentlich auf Franz von Fürstenberg zurück, der als Minister des Fürstbistums Münster Reformen des Bildungswesens vorantrieb. Nach päpstlicher und kaiserlicher Genehmigung in den 1770er Jahren wurde die Hochschule 1780 eröffnet. Sie umfasste zunächst die traditionellen Fakultäten für Theologie, Rechtswissenschaft, Medizin und Philosophie. Damit erhielt Münster eine Universität, die sowohl der Ausbildung geistlicher und staatlicher Amtsträger als auch der wissenschaftlichen Bildung dienen sollte.

Nach dem Übergang Münsters an Preußen verlor die Hochschule 1818 ihren Universitätsstatus. Dies stand im Zusammenhang mit der Gründung der Universität Bonn. In Münster blieb eine akademische Einrichtung mit theologischer und philosophischer Ausbildung bestehen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden die wissenschaftlichen Einrichtungen und das Fächerangebot wieder erweitert.

1902 erhielt die Hochschule erneut den Rang einer Universität. 1907 wurde sie nach Kaiser Wilhelm II. benannt. Während der nationalsozialistischen Herrschaft war sie wie andere deutsche Hochschulen von Gleichschaltung, politischer Anpassung und der Ausgrenzung und Verfolgung jüdischer sowie politisch missliebiger Universitätsangehöriger betroffen.

Der Zweite Weltkrieg verursachte erhebliche Schäden an den Hochschulgebäuden. Nach 1945 wurden Lehre und Forschung wiederaufgenommen und die Universität schrittweise ausgebaut. Besonders in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wuchsen Studierendenzahl und Fächerspektrum deutlich. Nach einer längeren Auseinandersetzung mit dem bisherigen Namensgeber beschloss die Universität, dessen Namen abzulegen. Seit dem 1. Oktober 2023 heißt sie offiziell Universität Münster.

Fakultäten und Studienangebot

Die Universität gliedert sich in 15 Fachbereiche. Diese übernehmen die Aufgaben, die an anderen Hochschulen häufig als Fakultätsaufgaben bezeichnet werden:

  • Evangelisch-Theologische Fakultät
  • Katholisch-Theologische Fakultät
  • Rechtswissenschaftliche Fakultät
  • Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
  • Medizinische Fakultät
  • Erziehungswissenschaft und Sozialwissenschaften
  • Psychologie und Sportwissenschaft
  • Geschichte/Philosophie
  • Philologie
  • Mathematik und Informatik
  • Physik
  • Chemie und Pharmazie
  • Biologie
  • Geowissenschaften
  • Musikhochschule

Das Studienangebot umfasst Bachelor- und Masterstudiengänge sowie Studiengänge mit Staatsexamen oder kirchlichen Abschlüssen. Zu den Staatsexamensfächern gehören insbesondere Rechtswissenschaft, Humanmedizin, Zahnmedizin und Pharmazie. Einen wichtigen Bereich bildet außerdem die Lehrkräftebildung für unterschiedliche Schulformen. Dabei wirken die fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Einrichtungen mit den Bildungswissenschaften zusammen.

Die Geisteswissenschaften decken unter anderem Geschichte, Philosophie, Sprach- und Literaturwissenschaften sowie archäologische und religionsbezogene Fächer ab. In den Naturwissenschaften reicht das Spektrum von mathematischen Grundlagen bis zu experimentellen und anwendungsorientierten Disziplinen. Die Musikhochschule verbindet künstlerische Ausbildung mit wissenschaftlichen und pädagogischen Studienanteilen.

Promotionsmöglichkeiten bestehen in zahlreichen Fächern. Neben der Betreuung an den einzelnen Instituten gibt es strukturierte Promotionsprogramme und Graduierteneinrichtungen. Internationale Hochschulpartnerschaften und Austauschprogramme ermöglichen Studien- und Forschungsaufenthalte im Ausland.

Forschung

Die Forschung der Universität ist durch die Verbindung unterschiedlicher Disziplinen geprägt. Zu ihren profilierten Bereichen zählen Mathematik, die Untersuchung von Religion und Politik, medizinische und lebenswissenschaftliche Forschung sowie Chemie, Materialwissenschaften und Batterieforschung.

Der Exzellenzcluster „Religion und Politik“ untersucht das Verhältnis religiöser und politischer Ordnungen in verschiedenen Epochen und Kulturen. Beteiligt sind unter anderem Geschichts-, Religions-, Rechts- und Sozialwissenschaften sowie die Theologien. Der Exzellenzcluster „Mathematik Münster“ widmet sich grundlegenden mathematischen Fragestellungen und verbindet verschiedene mathematische Forschungsrichtungen.

In der Batterieforschung ist das Forschungszentrum MEET, dessen Name für „Münster Electrochemical Energy Technology“ steht, eine wichtige Einrichtung. Dort werden Materialien, elektrochemische Prozesse und Technologien für Energiespeicher untersucht.

Die Medizinische Fakultät arbeitet eng mit dem Universitätsklinikum Münster zusammen. Grundlagenforschung, klinische Forschung und die Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Patientenversorgung greifen dabei ineinander. Weitere Kooperationen bestehen mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, darunter dem Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster. Sonderforschungsbereiche und andere Verbundprojekte ergänzen die Forschung an den einzelnen Instituten.

Campus

Die Universität besitzt keinen vollständig geschlossenen Campus. Viele Einrichtungen liegen in der Innenstadt oder in angrenzenden Vierteln. Weitere größere Hochschul- und Forschungsstandorte befinden sich westlich des historischen Stadtkerns.

Ein Wahrzeichen ist das fürstbischöfliche Schloss Münster aus dem 18. Jahrhundert. Es beherbergt Teile der Universitätsverwaltung und wird für universitäre Veranstaltungen genutzt. Hinter dem Schloss liegt der Schlossgarten mit dem 1803 gegründeten Botanischen Garten. Dieser dient Forschung und Lehre und ist zugleich öffentlich zugänglich.

Zahlreiche geisteswissenschaftliche Einrichtungen befinden sich im Innenstadtbereich. Die Universitäts- und Landesbibliothek Münster hat ihren zentralen Standort am Krummen Timpen. Als wissenschaftliche Bibliothek versorgt sie die Hochschule mit Literatur und digitalen Informationsangeboten und erfüllt darüber hinaus regionale bibliothekarische Aufgaben.

Naturwissenschaftliche Institute konzentrieren sich unter anderem im westlichen Stadtgebiet. Dort liegen auch das Universitätsklinikum und medizinische Forschungseinrichtungen. Mensen und Wohnheime werden insbesondere durch das Studierendenwerk Münster betreut. Die räumliche Verteilung der Universität trägt dazu bei, dass studentisches Leben und städtischer Alltag eng miteinander verbunden sind.

Bekannte Persönlichkeiten

Mit der Universität Münster sind zahlreiche bekannte Wissenschaftler verbunden. Der Mediziner Gerhard Domagk war dort als Hochschullehrer tätig. Für die Entdeckung der antibakteriellen Wirkung von Prontosil erhielt er 1939 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

Der Physiker Georg Bednorz studierte in Münster. Gemeinsam mit Karl Alexander Müller wurde er 1987 für die Entdeckung der Hochtemperatursupraleitung mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

Zu den bedeutenden Geisteswissenschaftlern der Hochschule gehörte der Philosoph Hans Blumenberg. Der evangelische Theologe Karl Barth lehrte ebenfalls in Münster. Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., war von 1963 bis 1966 Professor für katholische Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universität.

Zu den bekannten Absolventen außerhalb der Wissenschaft zählt der Musiker und Moderator Götz Alsmann, der in Münster Musikwissenschaft studierte und promoviert wurde.

Weblinks