Universität Regensburg
Die Universität Regensburg ist eine staatliche Universität in Regensburg im Freistaat Bayern. Sie wurde 1962 gegründet und nahm 1967 den Lehrbetrieb auf. Mit rund 20.000 Studierenden gehört sie zu den größeren Hochschulen Bayerns. Als Volluniversität bietet sie ein breites Spektrum an geistes-, kultur-, sozial-, wirtschafts- und naturwissenschaftlichen Fächern sowie Rechtswissenschaft und Medizin. Ihr Hauptcampus liegt im Süden der Stadt, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg. Die Universität ist eine eigenständige Einrichtung und von dieser Hochschule organisatorisch getrennt.
Geschichte
Der Gründung gingen langjährige Bemühungen voraus, in Ostbayern eine Universität einzurichten. Ein wesentliches Ziel war es, den Zugang zu wissenschaftlicher Bildung außerhalb der bestehenden bayerischen Universitätsstandorte zu verbessern und die Entwicklung der Region zu fördern. Der Bayerische Landtag beschloss 1962 die Errichtung der Universität Regensburg.
Der Lehrbetrieb begann im Wintersemester 1967/68. In den folgenden Jahren entstanden auf einem zusammenhängenden Gelände südlich der Innenstadt die Gebäude für die verschiedenen Fachbereiche und zentralen Einrichtungen. Die Anlage als Campusuniversität entsprach einem verbreiteten Modell des Hochschulausbaus der Nachkriegszeit: Forschung, Lehre, Bibliotheken und studentische Infrastruktur sollten räumlich eng miteinander verbunden werden.
Das Fächerspektrum und die Zahl der Studierenden wuchsen schrittweise. Eine wichtige Erweiterung war der Aufbau der medizinischen Ausbildung und der zugehörigen klinischen Einrichtungen. Das Universitätsklinikum Regensburg nahm 1992 den stationären Betrieb auf.
Nach dem Ende des Kalten Krieges gewannen die Beziehungen zu Hochschulen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa zusätzlich an Bedeutung. Die geografische Lage Regensburgs und bestehende wissenschaftliche Kontakte begünstigten die Entwicklung entsprechender Forschungs- und Austauschschwerpunkte.
Fakultäten und Studienangebot
Die Universität gliedert sich in zwölf Fakultäten:
- Katholische Theologie
- Rechtswissenschaft
- Wirtschaftswissenschaften
- Medizin
- Philosophie, Kunst-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften
- Humanwissenschaften
- Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften
- Mathematik
- Physik
- Biologie und Vorklinische Medizin
- Chemie und Pharmazie
- Informatik und Data Science
Das Studienangebot umfasst Bachelor- und Masterstudiengänge, Studiengänge mit Staatsexamen sowie Promotionsmöglichkeiten. Zu den Staatsexamensstudiengängen gehören insbesondere Rechtswissenschaft, Humanmedizin, Zahnmedizin, Pharmazie und die Lehramtsausbildung. Die jeweils angebotenen Abschlüsse und Zulassungsverfahren unterscheiden sich nach Fach.
In den Geistes- und Kulturwissenschaften lassen sich verschiedene Fächer innerhalb kombinierter Studienmodelle miteinander verbinden. Neben klassischen Disziplinen wie Geschichte, Germanistik und Philosophie werden unter anderem Medienwissenschaft und unterschiedliche regionalwissenschaftliche Schwerpunkte angeboten. Die Wirtschaftswissenschaften umfassen Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre; ein besonderes Arbeitsgebiet ist die Immobilienwirtschaft.
Die Ausbildung von Lehrkräften bildet einen weiteren wichtigen Teil des Studienangebots. Sie verbindet fachwissenschaftliche Studien mit Fachdidaktik, Erziehungswissenschaften und schulpraktischen Anteilen. Ergänzend zum Fachstudium stehen Sprachkurse und weitere fachübergreifende Qualifizierungsangebote zur Verfügung. Internationale Austauschprogramme ermöglichen Studienaufenthalte an Partnerhochschulen.
Forschung
Die Forschung der Universität erstreckt sich über Grundlagenforschung und anwendungsbezogene Fragestellungen. In den Naturwissenschaften gehören unter anderem die Physik kondensierter Materie, die Nanowissenschaften, die Chemie und die molekularen Lebenswissenschaften zu den vertretenen Arbeitsgebieten. Forschende untersuchen beispielsweise elektronische Eigenschaften von Materialien, chemische Reaktionen und die Funktionsweise biologischer Moleküle.
In der Medizin bestehen Forschungsaktivitäten unter anderem in der Immunologie, der Krebsforschung und der Transplantationsmedizin. Die Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum verbindet experimentelle Untersuchungen mit klinischen Fragestellungen. Das Leibniz-Institut für Immuntherapie in Regensburg gehört zum wissenschaftlichen Umfeld, mit dem Universität und Universitätsmedizin zusammenarbeiten.
Ein charakteristischer Schwerpunkt der Geistes- und Sozialwissenschaften ist die Beschäftigung mit Ost- und Südosteuropa. Dabei werden historische, sprachliche, kulturelle, rechtliche und wirtschaftliche Entwicklungen untersucht. Das Europaeum, das Ost-West-Zentrum der Universität, unterstützt den fachübergreifenden Austausch und die wissenschaftliche Begegnung mit dieser Region.
Die Forschung ist vielfach in Verbünden organisiert. Dazu zählen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekte, Sonderforschungsbereiche und Graduiertenkollegs. Hinzu kommen Kooperationen mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, anderen Hochschulen und Unternehmen. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses erfolgt sowohl innerhalb der Fakultäten als auch durch strukturierte Promotionsangebote.
Campus
Der Hauptcampus liegt südlich der Regensburger Altstadt. Seine überwiegend in den Jahrzehnten nach der Gründung errichteten Gebäude bilden einen zusammenhängenden Hochschulkomplex. Sichtbeton, größere Gebäudeblöcke, Innenhöfe und Fußwege prägen das Erscheinungsbild. Die räumliche Konzentration ermöglicht kurze Wege zwischen vielen Lehrveranstaltungsräumen, Bibliotheken und zentralen Einrichtungen.
Zu den zentralen Einrichtungen gehören die Universitätsbibliothek, das Rechenzentrum und die Hochschulverwaltung. Die Universitätsbibliothek besteht aus einer Zentralbibliothek und fachbezogenen Teilbibliotheken. Neben gedruckten Beständen stellt sie elektronische Zeitschriften, Datenbanken und weitere digitale Informationsangebote für Studium und Forschung bereit.
Mensen, Cafeterien und Beratungsangebote ergänzen die wissenschaftliche Infrastruktur. Aufgaben der sozialen Betreuung und der studentischen Versorgung übernimmt auch das Studierendenwerk Niederbayern/Oberpfalz. Der Hochschulsport bietet Möglichkeiten für unterschiedliche Sportarten. Kulturelle Aktivitäten entstehen unter anderem durch studentische Theatergruppen, musikalische Ensembles und Veranstaltungen der Universität.
Zum naturwissenschaftlichen Bereich gehört der Botanische Garten. Er dient der Lehre und Forschung und macht zugleich Pflanzen aus unterschiedlichen Lebensräumen zugänglich. Das Universitätsklinikum befindet sich weiter südlich des Hauptcampus. Die Verbindung zwischen Universität, Klinikum und Innenstadt wird durch den öffentlichen Busverkehr hergestellt.
Bekannte Persönlichkeiten
Zu den bekanntesten Hochschullehrern der Universität gehört Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI. Er lehrte von 1969 bis 1977 Dogmatik und Dogmengeschichte in Regensburg. Auch nach seiner Ernennung zum Erzbischof von München und Freising blieb er der Universität verbunden. Bei seinem Besuch 2006 hielt er dort eine international viel beachtete Vorlesung über Glaube und Vernunft.
Der Rechtswissenschaftler Udo Steiner war vor seiner Tätigkeit als Richter des Bundesverfassungsgerichts Professor in Regensburg. Seine wissenschaftliche Arbeit umfasst insbesondere Fragen des öffentlichen Rechts.
Der Volkswirt Wolfgang Wiegard lehrte ebenfalls an der Universität. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er als Mitglied und zeitweiliger Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung bekannt.