Universität Rostock
Die Universität Rostock ist eine staatliche Universität in Rostock im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Sie wurde 1419 gegründet und zählt mit rund 12.000 Studierenden zu den größeren Hochschulen des Landes. Als Volluniversität verbindet sie geistes-, sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Fächer mit Rechtswissenschaft, Medizin, Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften. Sie gilt als älteste Universität im Ostseeraum. Ihr Studien- und Forschungsprofil ist sowohl durch diese lange Tradition als auch durch die maritime Lage und die wirtschaftliche Entwicklung der Region geprägt.
Geschichte
Die Universität wurde 1419 mit päpstlicher Genehmigung durch Martin V. gegründet. An ihrer Einrichtung waren die mecklenburgischen Herzöge und der Rat der Stadt Rostock beteiligt. Die Gründung fiel in eine Zeit, in der Rostock als Hansestadt über weitreichende Handelsbeziehungen verfügte. Die Hochschule zog Studierende und Gelehrte aus Norddeutschland sowie aus den skandinavischen und baltischen Ländern an.
Das mittelalterliche Studienangebot umfasste zunächst die Artistenfakultät als Grundlage der höheren Studien sowie Rechtswissenschaft und Medizin. Eine theologische Fakultät kam 1432 hinzu. Unterrichts- und Wissenschaftssprache war Latein. Die Universität war eng mit den politischen und kirchlichen Verhältnissen ihrer Umgebung verbunden; Konflikte zwischen Stadt, Landesherren und Kirche beeinflussten wiederholt ihren Betrieb.
Im Zuge der Reformation wurde die Hochschule im 16. Jahrhundert protestantisch geprägt. Humanistische Gelehrsamkeit und lutherische Theologie gewannen an Bedeutung. Eine einschneidende Veränderung brachte 1760 die Gründung einer konkurrierenden Universität in Bützow durch den mecklenburgischen Landesherrn. Beide Einrichtungen bestanden zeitweise nebeneinander, bevor sie 1789 wieder in Rostock vereinigt wurden.
Im 19. Jahrhundert erweiterten sich insbesondere die naturwissenschaftlichen und medizinischen Arbeitsgebiete. Neue Institute, Sammlungen und Klinikbauten entstanden. Das 1870 fertiggestellte Hauptgebäude am Universitätsplatz steht bis heute für diese Ausbauphase. Seit 1909 konnten Frauen regulär an der Universität Rostock studieren.
Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde die Hochschule gleichgeschaltet. Jüdische und politisch missliebige Angehörige wurden ausgegrenzt oder entlassen. Die Universität war damit Teil der Verfolgungs- und Wissenschaftspolitik des Regimes.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm sie 1946 den Lehrbetrieb wieder auf. In der DDR wurden Studienstruktur und Hochschulorganisation mehrfach umgestaltet. Einen bedeutenden Ausbau erfuhren die Ingenieurwissenschaften, insbesondere im Zusammenhang mit Schiffbau und maritimer Wirtschaft. Von 1976 bis 1990 trug die Hochschule den Namen Wilhelm-Pieck-Universität Rostock. Nach der deutschen Wiedervereinigung erfolgten eine umfassende Neuordnung und die Weiterentwicklung des Fächerspektrums. Im Jahr 2019 beging die Universität ihr 600-jähriges Bestehen.
Fakultäten und Studienangebot
Die Universität gliedert sich in neun Fakultäten:
- Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät
- Fakultät für Informatik und Elektrotechnik
- Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik
- Juristische Fakultät
- Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
- Medizinische Fakultät
- Philosophische Fakultät
- Theologische Fakultät
- Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Die Medizinische Fakultät ist Teil der Universitätsmedizin Rostock, die medizinische Forschung und Lehre mit der Krankenversorgung verbindet.
Das Studienangebot umfasst Bachelor- und Masterstudiengänge sowie Studiengänge mit staatlichen oder kirchlichen Abschlussprüfungen. Hinzu kommen Promotionsmöglichkeiten und wissenschaftliche Weiterbildung. Einen wichtigen Bereich bildet die Ausbildung von Lehrkräften für unterschiedliche Schularten.
Zu den vertretenen Fachgebieten gehören unter anderem Biologie, Chemie, Physik, Mathematik, Informatik, Elektrotechnik und Maschinenbau. Weitere Angebote bestehen in Agrar- und Umweltwissenschaften, Sprach- und Literaturwissenschaften, Geschichte, Philosophie, Theologie, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Human- und Zahnmedizin. Die rechtswissenschaftlichen Angebote umfassen insbesondere spezialisierte und interdisziplinäre Studienmöglichkeiten.
Die Breite des Fächerspektrums ermöglicht Verbindungen zwischen technischen, naturwissenschaftlichen und gesellschaftswissenschaftlichen Fragestellungen. Internationale Hochschulpartnerschaften und Austauschprogramme ergänzen das Studium.
Forschung
Die Forschung reicht von disziplinärer Grundlagenarbeit bis zu anwendungsorientierten Projekten mit außeruniversitären Einrichtungen, Unternehmen und öffentlichen Partnern. Besondere Bedeutung haben maritime Themen, die Lebenswissenschaften, neue Materialien und Technologien sowie gesellschaftliche Veränderungsprozesse.
Zur fakultätsübergreifenden Zusammenarbeit wurde 2007 die Interdisziplinäre Fakultät eingerichtet. Ihre vier Departments tragen die Bezeichnungen Life, Light & Matter, Maritime Systems, Aging of Individuals and Society und Knowledge – Culture – Transformation. Sie bündeln Arbeiten zu Lebensprozessen und Materie, maritimen Systemen, dem Altern sowie dem Verhältnis von Wissen, Kultur und gesellschaftlichem Wandel.
Die maritime Forschung untersucht unter anderem Küsten- und Meeresökosysteme, technische Systeme für den Einsatz auf See und Fragen einer nachhaltigen Nutzung mariner Ressourcen. In der Alternsforschung werden medizinische und biologische Ansätze mit demografischen und sozialwissenschaftlichen Perspektiven verbunden.
Zum regionalen Forschungsumfeld gehören das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde und das Leibniz-Institut für Katalyse. Kooperationen mit solchen Einrichtungen erweitern die wissenschaftlichen Arbeitsmöglichkeiten und die Ausbildung des Nachwuchses. Die Universitätsmedizin bildet einen weiteren Schwerpunkt, in dem experimentelle, klinische und patientenbezogene Forschung zusammenkommen.
Campus
Die Universität besitzt keinen einzelnen abgeschlossenen Campus. Ihre Einrichtungen verteilen sich auf mehrere Standorte im Rostocker Stadtgebiet. Das historische Zentrum liegt am Universitätsplatz in der Innenstadt. Dort befindet sich das repräsentative Hauptgebäude im Stil der Neorenaissance, das Verwaltungsaufgaben erfüllt und für akademische Veranstaltungen genutzt wird.
In der Südstadt konzentrieren sich zahlreiche naturwissenschaftliche und ingenieurwissenschaftliche Einrichtungen. Dort liegt auch ein wichtiger Standort der Universitätsbibliothek. Weitere Bibliotheksstandorte versorgen insbesondere die Fächer in der Innenstadt. Die Bibliothek bewahrt neben aktueller Fachliteratur historische Bestände und unterstützt Forschung und Lehre durch digitale Angebote.
Die Einrichtungen der Universitätsmedizin verteilen sich ebenfalls auf mehrere Standorte, unter anderem im Bereich der Schillingallee. Zum universitären Umfeld gehören außerdem der Botanische Garten und wissenschaftliche Sammlungen, die Lehre, Forschung und öffentlicher Wissensvermittlung dienen. Mensen, Wohnheime und Beratungsangebote des Studierendenwerks ergänzen die Infrastruktur.
Bekannte Persönlichkeiten
Mit der Universität Rostock sind zahlreiche Persönlichkeiten der Wissenschafts- und Kulturgeschichte verbunden:
- Der Astronom Tycho Brahe studierte im 16. Jahrhundert zeitweise in Rostock.
- Der Archäologe Heinrich Schliemann wurde 1869 an der Universität promoviert.
- Der Philosoph Moritz Schlick, später eine zentrale Persönlichkeit des Wiener Kreises, lehrte von 1911 bis 1921 in Rostock.
- Der Zoologe und spätere Nobelpreisträger Karl von Frisch war von 1921 bis 1923 Professor an der Universität.
- Der Schriftsteller Uwe Johnson studierte zunächst in Rostock, bevor er sein Studium in Leipzig fortsetzte.
- Der spätere Bundespräsident Joachim Gauck studierte in Rostock evangelische Theologie.
Albert Einstein und Max Planck erhielten 1919 anlässlich des 500-jährigen Universitätsjubiläums die Ehrendoktorwürde.