Gottfried Wilhelm Leibniz
Gottfried Wilhelm Leibniz (* 1. Juli 1646 in Leipzig; † 14. November 1716 in Hannover) war ein deutscher Philosoph, Mathematiker, Jurist, Historiker und Politiker. Er gilt als einer der letzten Universalgelehrten und als einer der bedeutendsten Denker der Frühaufklärung. Sein Leben war eng mit Leipzig und mit Hannover verbunden, wo er vierzig Jahre lang im Dienst der Welfen stand.
Studium in Leipzig, Jena und Altdorf
Leibniz wurde als Sohn eines Leipziger Professors für Moralphilosophie geboren und früh von seinem Vater mit der Bibliothek des Hauses vertraut gemacht. Mit 15 Jahren immatrikulierte er sich 1661 an der Universität Leipzig, wo er Rechtswissenschaft, Philosophie und klassische Sprachen studierte. 1663 hörte er ein Sommersemester lang in Jena Mathematik bei Erhard Weigel. Da ihm Leipzig wegen seines jugendlichen Alters die juristische Doktorwürde verweigerte, wechselte er an die Universität Altdorf bei Nürnberg, wo er 1667 mit einer Arbeit über schwierige Rechtsfälle promoviert wurde; ein angebotener Lehrstuhl in Altdorf lehnte er ab.
Mainz und Paris
Leibniz trat in den Dienst des Kurfürsten von Mainz und arbeitete an juristischen und politischen Schriften. Von 1672 bis 1676 hielt er sich mit einer diplomatischen Mission in Paris auf, damals das Zentrum der europäischen Wissenschaft. Dort knüpfte er Kontakte zu Christiaan Huygens und anderen Gelehrten und vertiefte sich in die höhere Mathematik. In diesen Jahren entwickelte er die Grundzüge der Differential- und Integralrechnung; die von ihm eingeführten Symbole (das Integralzeichen ∫ und das d der Differentiale) werden bis heute verwendet. Die Veröffentlichung erfolgte erst 1684, was später zu einem Prioritätsstreit mit Isaac Newton führte.
Hannover: Vierzig Jahre im Dienst der Welfen
1676 trat Leibniz als Hofrat und Bibliothekar in den Dienst des Herzogs von Braunschweig-Lüneburg in Hannover, der späteren Residenz der Welfen. Neben der Leitung der herzoglichen Bibliothek – die er zu einer der bedeutendsten Gelehrtenbibliotheken Europas ausbaute – widmete er sich der Geschichte des Welfenhauses, technischen Projekten (darunter einem Wasserkunst- und einem Rechenmaschinenprojekt; seine Staffelwalzen-Rechenmaschine beherrschte alle vier Grundrechenarten) sowie juristischen und politischen Gutachten. In Hannover entstanden seine großen philosophischen Werke, darunter die „Monadologie“ (1714) und die „Theodizee“ (1710). Leibniz regte die Gründung wissenschaftlicher Akademien an; auf seine Anregung wurde 1700 die Kurfürstlich-Brandenburgische Sozietät der Wissenschaften in Berlin gegründet, deren erster Präsident er wurde. Als Hannover 1714 mit Georg Ludwig einen britischen König stellte, wurde Leibniz in Hannover zurückgelassen; er starb dort 1716.
Werk und Nachwirkung
Leibniz' Werk umfasst neben der Mathematik (Infinitesimalrechnung, duales Zahlensystem) die Logik, Metaphysik, Theologie, Rechtswissenschaft und Geschichtsschreibung. Sein Nachlass wird in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover aufbewahrt; die heutige Leibniz Universität Hannover trägt seit 2006 seinen Namen, ebenso die Leibniz-Gemeinschaft.