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Evangelisch-Theologische Fakultät (Universität Tübingen)

Aus Hochschulwiki

Die Evangelisch-Theologische Fakultät der Eberhard Karls Universität Tübingen ist eine der ältesten und einflussreichsten evangelisch-theologischen Fakultäten Deutschlands. Sie ist so alt wie die Universität selbst, die 1477 von Graf Eberhard im Bart von Württemberg gegründet wurde, und wurde 1535 protestantisch, als Herzog Ulrich von Württemberg die Reformation in der Universität einführte.

Geschichte

Bei ihrer Gründung 1477 war die theologische Fakultät eine Einrichtung mittelalterlich-scholastischer Gelehrsamkeit. Mit der Reformation wandelte sie sich ab 1535 zu einem Zentrum lutherischer Theologie, das die theologische Entwicklung Württembergs und darüber hinaus prägte. 1536 stiftete Herzog Ulrich das Tübinger Stift, ein Studien- und Wohnhaus für evangelische Theologiestudierende, das 1547 in das ehemalige Augustinerkloster umzog und bis heute existiert. Aus dem Stift gingen Persönlichkeiten hervor, die die deutsche Geistesgeschichte weit über die Theologie hinaus beeinflussten: Johannes Kepler, der Dichter Friedrich Hölderlin sowie die Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, die hier gemeinsam studierten.

Im 18. und 19. Jahrhundert war die Fakultät Schauplatz der Auseinandersetzung zwischen supranaturalistischer und historisch-kritischer Theologie. Mit der „Tübinger Schule“ um Ferdinand Christian Baur wurde hier die historisch-kritische Erforschung des Neuen Testaments und der Kirchengeschichte systematisch begründet; David Friedrich Strauß, dessen „Leben Jesu“ (1835/36) einen europaweiten Skandal auslöste, war ein Schüler dieser Schule. Im 20. Jahrhundert wirkten in Tübingen Theologen wie Adolf Schlatter und später Ernst Käsemann; die neutestamentliche Exegese und die systematische Theologie der Fakultät zählen bis heute zu den international beachteten Forschungsfeldern.

Studium

Die Fakultät bildet Studierende der evangelischen Theologie in mehreren Profilen aus: für den kirchlichen Dienst (Pfarramt), für das Lehramt und in akademischen Studiengängen. Studierende mit dem Ziel Pfarramt können weiterhin im Tübinger Stift wohnen, das eine besonders intensive Ausbildungs- und Lebensgemeinschaft bietet. Die Fakultät unterhält enge Beziehungen zur Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Forschung

Die Forschung der Fakultät deckt die klassischen Disziplinen ab – Altes und Neues Testament, Kirchengeschichte, Systematische Theologie und Praktische Theologie sowie Religionswissenschaft und Jüdische Studien. Internationale Beachtung finden unter anderem Arbeiten zur frühchristlichen Literatur, zur Reformationsgeschichte und zur Religionsgeschichte des antiken Mittelmeerraums. Die Fakultät ist an Verbundprojekten beteiligt, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert werden.

Persönlichkeiten

  • Ferdinand Christian Baur (1792–1860), Begründer der historisch-kritischen „Tübinger Schule“
  • David Friedrich Strauß (1808–1874), Autor des „Leben Jesu, kritisch bearbeitet“
  • Adolf Schlatter (1852–1938), Neutestamentler und Systematiker
  • Ernst Käsemann (1906–1998), Neutestamentler, Schüler Rudolf Bultmanns
  • Jürgen Moltmann (1926–2024), systematischer Theologe, Professor in Tübingen 1967–1994

Weblinks