Medizinische Fakultät (Universität Leipzig)
Die Medizinische Fakultät der Universität Leipzig ist eine der ältesten medizinischen Fakultäten Deutschlands. Ihre Geschichte beginnt im Jahr 1415, sechs Jahre nach der Gründung der Universität Leipzig, als neun Magister ein „Collegium medicum“ mit eigenen Statuten für eine facultas medicine verabschiedeten. Nach der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg ist sie die zweitälteste durchgehend aktive medizinische Ausbildungsstätte auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Zusammen mit dem Universitätsklinikum Leipzig bildet sie die Universitätsmedizin Leipzig.
Geschichte
Die Gründungsurkunde der Fakultät aus dem Jahr 1415 ist bis heute erhalten. Schon im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit war Leipzig ein bedeutender Ort der medizinischen Lehre; das städtische Hospital St. Jacobs diente als frühe klinische Einrichtung. Im 19. Jahrhundert stieg die Fakultät zu einem Zentrum der wissenschaftlichen Medizin auf: Mit Carl Ludwig, der ab 1865 in Leipzig das physiologische Institut leitete und als Begründer der modernen, instrumentellen Physiologie gilt, sowie mit dem Kliniker Ernst Heinrich Weber und später mit Wilhelm Wundt, dessen experimentelle Psychologie eng mit der medizinisch-physiologischen Tradition verbunden war, wirkten hier Forscher von Weltrang.
Im 20. Jahrhundert wurde die Fakultät durch die beiden Weltkriege und die Teilung Deutschlands geprägt. In der DDR war sie eine der führenden medizinischen Ausbildungsstätten des Landes. Nach 1990 wurden Klinikum und Fakultät umfassend modernisiert; am Leipziger Stadtteil Liebertwolkwitz bzw. unmittelbar am Stadtzentrum entstand ein Neubau des Universitätsklinikums, der heute zu den modernsten Klinikanlagen Deutschlands zählt. 2015 feierte die Fakultät ihr 600-jähriges Bestehen.
Studium
Die Medizinische Fakultät ist mit über hundert Professuren eine der größten von mehr als dreißig medizinischen Fakultäten Deutschlands. Sie ist die größte Ausbildungsstätte für Human- und Zahnmedizin in Sachsen und die einzige Ausbildungsstätte für Pharmazie des Landes. Das Studienangebot umfasst die staatlichen Studiengänge Humanmedizin und Zahnmedizin sowie den Bachelor- und Masterbereich der Pharmazie; hinzu kommen weiterbildende und internationale Programme. Die klinische Ausbildung erfolgt am Universitätsklinikum Leipzig, einem Krankenhaus der Maximalversorgung mit rund 1.400 Betten.
Forschung
Die Forschung der Fakultät konzentriert sich auf mehrere Profilbereiche, darunter die Herz-Kreislauf-Medizin, die Stoffwechsel- und Adipositasforschung, die Neurowissenschaften sowie die regenerative Medizin und die Zelltherapie. Die Fakultät ist an Sonderforschungsbereichen und weiteren Verbundprojekten beteiligt, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert werden, und kooperiert mit den Leipziger Instituten der Max-Planck-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft.
Persönlichkeiten
- Carl Ludwig (1816–1895), Physiologe, leitete ab 1865 das von ihm konzipierte Physiologische Institut in Leipzig
- Wilhelm Wundt (1832–1920), Begründer der experimentellen Psychologie, Professor für Philosophie in Leipzig mit engem Bezug zur Physiologie
- Ernst Heinrich Weber (1795–1878), Anatom und Physiologe, grundlegende Arbeiten zur Sinnesphysiologie
- Paul Flechsig (1847–1929), Neurologe und Hirnforscher, langjähriger Professor in Leipzig